ZEIT für Literatur mit Lena Gorelik
Shownotes
Nicht eine Mutter, sondern viele: In „Alle meine Mütter“ schreibt Lena Gorelik über Frauen, die Mütter sind. In unterschiedlichen Lebenslagen, mit widersprüchlichen Erfahrungen und Blicken auf Mutterschaft. Ihr Roman versammelt versehrte Mütter, Frauen, die sich gegen ein Kind entschieden haben, Mütter, die zugleich Töchter sind, und Beziehungen, die sich einfachen Zuschreibungen entziehen.
In dieser Folge von ZEIT für Literatur liest Gorelik aus ihrem Roman und berichtet im Interview von den Müttern, die ihr beim Schreiben begegnet sind: erinnerte, erfundene, beobachtete. Zwischen Fiktion und Autofiktion fragt sie, warum Geschichten über Mutterschaft noch immer oft zu eindeutig, zu glatt, zu erwartbar erzählt werden – und was literarisch möglich wird, wenn man sie stattdessen in ihrer Widersprüchlichkeit ernst nimmt.
Im Gespräch erzählt Lena Gorelik, was sie mit „Alle meine Mütter“, erschienen bei Rowohlt, anders machen wollte, warum sie die Perspektive vervielfacht hat und weshalb gerade darin die besondere Kraft dieses Romans liegt.
Transkript anzeigen
00:00:04: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Zeit für Literatur.
00:00:08: Zeit für literatur ist ein Podcast, in dem Autorinnen und Autoren nicht schreiben sondern lesen – und zwar aus ihren neuen Büchern und Romanen!
00:00:17: Ich bin Stella Pfeiffer und produziert wird der Podcast vom Studio ZX.
00:00:25: Was wissen wir eigentlich über unsere Mütter?
00:00:28: Also nicht über das, was sie für uns organisiert haben.
00:00:31: Zu welchen Verabredungen Sie uns brachten?
00:00:33: Was Sie mittags für uns kochten?
00:00:35: Sondern über Sie als Menschen.
00:00:37: also wie waren Sie als junge Frau?
00:00:40: Was hat sie damals bewegt und was traurig gemacht?
00:00:43: Und was hat Ihnen Sicherheit gegeben, als Sie selbst ein Kind waren?
00:00:48: Und umgedreht natürlich auch, wie viel wissen Mütter über ihre Kinder?
00:00:54: Wie kann man einander nahbleiben wenn doch irgendwann Distanz entstehen soll?
00:00:59: und warum ist diese Verbindung oft gleichzeitig so selbstverständlich und so schwer zu fassen.
00:01:06: In alle meine Müttern nähert sich Lena Gorellek genau diesen Geflecht.
00:01:11: in kurzen miteinander verwobenen Kapiteln erzählt sie von ganz unterschiedlichen Formen von Mutterschaft von Fürsorge und Überforderung, von Krankheit- und Rollenverschiebung.
00:01:23: Von Verlustmigration, Erwartungen und dem Versuch all dem gerecht zu werden.
00:01:29: Immer wieder geht es auch um die eigene Mutter – um das Älterwerden, um das Gefühl zu wenig zu wissen und vielleicht auch um den Angst davor zu viel zu erfahren!
00:01:40: Der Roman ist dabei schonungslos und zärtlich zugleich.
00:01:43: Er erzählt voller Respekt von Mutterschaft als Arbeit, als Liebe, als Zumutung und als Trost – aber vor allem von Mutterschaft als Beziehungen!
00:01:53: Und davon wie vielfältig diese Beziehung sein können?
00:02:06: Frau Gorellig, die erste Frage in diesem Podcast ist immer die gleiche.
00:02:10: Eine kleine Aufgabe zu beginnen – wie würden Sie Ihren Romanin nur einem Satz zusammenfassen?
00:02:17: Ich glaube der Roman versucht von uns allen zu erzählen weil es nichts universelleres gibt über Zeiten und Orte hinweg als dass wir alle Menschen eine Mutter haben.
00:02:32: Ja das stimmt natürlich!
00:02:33: Wir sind alle die Kinder von irgendwieem.
00:02:36: Sie stellen im Buch ja immer wieder die Frage, was Töchter eigentlich über ihre Mütter wissen.
00:02:42: Und ich habe dabei auch so eine gewisse Scheu bemerkt also so einen Zurückhalten genauer hinzuschauen.
00:02:49: Gab es beim Schreiben Momente in denen sie gemerkt haben diese Fragen stelle ich mir zu spät oder vielleicht auch lieber gar nicht?
00:02:57: Ja!
00:02:57: Ich hab durchaus den Zögern gemerkt und ich habe mich gefragt woran das legt eingespielte Spiel in diesen Rollen.
00:03:07: Also es ist so, also wir regen uns über unsere Mütter auf oder ich mich zumindest über meine Mannschaft.
00:03:14: Und das gibt irgendwie Dinge bei denen ... Oder ich kenne Momente, bei denen nicht mehr wünschen würde.
00:03:21: Meine Mutter wäre weniger Mutter und mehr ein eigener Mensch.
00:03:24: Trotzdem ist es einfach das Spiel dass wir führen seit ich auf der Welt bin.
00:03:29: Das bedeutet vermutlich eine Gefahr daraus zu treten?
00:03:34: Das ist, glaube ich so der Versuch mich selbst zu analysieren.
00:03:38: Und die andere Frage ist aber natürlich ob sie überhaupt erzählen möchte?
00:03:45: Also es ist ein Anspruch mit dem man diese Fragen stellt.
00:03:48: zeig mir was du noch mehr bist.
00:03:52: ja da ist irgendwie so eine Erwartungshaltung und meine Mutter ist nicht mehr jung ziemlich krank und ich hatte auch das Gefühl, ich trete hier vielleicht mit dieser Erwartung auch zu nahe.
00:04:08: Und dann ist natürlich alles was man erzählt bekommt führt vielleicht auch zu Dingen hin die man übersehen hat und es ist nicht.
00:04:16: also es ist persönlich keine einfache Auseinandersetzung.
00:04:19: aber es ist natürlich auch keine einfacher auseinandersetzung wenn ich darüber schreibe und wenn ich versuche so zu schreiben dass es nicht nur darum geht jetzt Mein gerade analysiertes, ich irgendwie aufs Papier zu bringen.
00:04:32: Sondern etwas darüber zu erzählen wie Mutter-Kindbeziehungen funktionieren und was sozusagen... Was muss ich dafür erzählen?
00:04:41: Was muss sich dafür wissen?
00:04:42: Was darf ich dafür erzielen?
00:04:43: Was muß ich weglassen?
00:04:45: Ist immer eine Gradwanderung und ich glaube daher das zögern.
00:04:48: Da steckt ja auch schon ganz viel drin.
00:04:50: also was ich mich auch immer frage wenn wir unsere Mütter die Frage stellen Mama wer bist denn du eigentlich.
00:04:56: Also das ist ja auch eine ganz schön große Verantwortung, das überhaupt beantworten zu können.
00:05:01: Wenn meine Tochter mich das jetzt fragen würde, hätte ich vielleicht gar nicht initial ne Antwort da drauf.
00:05:05: Das heißt es ist eine ganz schöne große Aufgabe.
00:05:08: und andererseits, das haben sie ja gerade auch schon gesagt, schreibt man das dann auf für andere die das lesen können obwohl's ja auch sehr intim ist und ist dann manchmal so ein bisschen Beziehungs- und Rollenübergreifend auch.
00:05:20: Ja, ich habe auch versucht das mit in den Text hineinzunehmen und es ist wenn man autofiktional schreibt ja immer die Frage.
00:05:27: Also wie intim ist das?
00:05:31: Was darf ich erzählen was steht mir zu Wie erzähle ich das auf welche Weise mit welcher Distanz vielleicht?
00:05:38: oder was kann Ich über über das Erzählte also Den eigentlichen Plot noch drüberlegen?
00:05:45: Das ist ja etwas, worüber ich sowieso nachdenken muss.
00:05:49: Und das ist natürlich aber in dem Moment, indem mich diese Frage von der... Genau die einfach sozusagen etwas von dem anderen erwartet und die auch schon in der Formulierung erwartet du musst etwas anderes sein.
00:06:04: Erzähl mir etwas was ich noch nicht gesehen habe.
00:06:06: erzählen wir was dahinter ist und je nachdem zu welcher Generation Die Mütter gehören ist es finde Ich auch immer.
00:06:15: Also es gibt nun mal auch eine Prägung, es gibt eine Sozialisierung.
00:06:19: Es gibt viele glaube ich Mütter die bestimmte Dinge auch nicht machen konnten also denen vielleicht auch dieses Ich Bin Nicht Nur Mutter sondern auch ganz viele andere Dinge in gewisser Weise von gesellschaftlichen oder familiären Konstrukten untersagt worden ist und wie man damit dann textlich und literarisch umgeht gleichzeitig eben die gesellschaftliche Fragen stellt Aber auch das Private erzählen ohne dass es zu privat und intim wird.
00:06:49: Ja, muss man austarieren.
00:06:53: Ist ja auch schwierig weil man will ja die Mutterrolle nicht reduzieren.
00:06:56: also zu sagen du kannst ja nicht nur Mutter sein ist ja auch so ein impliziter Vorwurf fast schon oder?
00:07:02: Es ist definitiv ein Vorwurf und es ist natürlich einen Vorwurf der irgendwie aus sehr aus dem eigenen Denken heraus geht.
00:07:12: Also ich würde gerne für mich irgendwie sagen, ich bin definitiv mehr als Mutter aber das gibt ja genug Frauen die das anders sehen und vielleicht eben auch meine Mutter und dass es genau so in Ordnung.
00:07:24: deswegen darum ging's mir ja auch in dem Roman irgendwie nicht nur ein Mutterbild aufzuwerfen und genauso auch Frauen hineinzunehmen, die explizit sagen sie wollen gar keine Mutter sein oder Frauen, die keine Mutter seien können.
00:07:39: Oder Frauen, denen Kind verlieren.
00:07:41: also wie ist man eine Mutter ohne Kind?
00:07:44: eben all die verschiedenen Facetten aufzuwärfen neben der einen Du musst doch mehr sein als Mutter.
00:07:51: Wir werden zu dieser Vielfalt an Perspektiven auf jeden Fall gleich auch nochmal kommen.
00:07:55: was mich davor jetzt noch mal interessieren würde wenn Sie sagen es war immer so ein Ja, Aushandlungsprozess auch zu schauen.
00:08:01: Was teile ich?
00:08:02: Was ist so intim?
00:08:03: War das auch etwas was Sie mit Ihrer Mutter verhandelt haben oder auch mit sich selbst als Mutter?
00:08:08: Ich habe das sehr mit mir selbst verhandlt weil ich glaube dass dass ich die literarischen Entscheidungen für mich und für den Text treffen musste so ein bisschen wie man auch als Mutter vielleicht um jetzt dieser Metapher kurz mal auszustrapazieren für die Kinderentscheidung trifft und sagt, weiß ich nicht.
00:08:30: Jetzt darfst du alleine über die Straße oder jetzt darfst Du alleine dies?
00:08:34: So musste ich das für den Text erst mal herausfinden was ich machen möchte um dann mit mir auszumachen wo gibt es vielleicht irgendwelche ethischen Fragen die ich klären muss?
00:08:45: kläre ich sie im Text klare ich sie vorher mit mir Und dann gibt es natürlich den sehr konkreten und vielleicht auch weniger philosophischen Moment, wo ich einfach zu meiner Mutter sage hier ist der Text.
00:08:57: Alles was du nicht möchtest wird da auch nicht drinstehen.
00:09:00: War das ein leichter Prozess?
00:09:02: Der letzte?
00:09:05: Also es ist nicht mein erster autofiktioneller Text.
00:09:08: deswegen ist meine Mutter würde sie jetzt sagen schon einiges gewohnt.
00:09:15: Sie hat etwas sehr Kluges gesagt, als sie ihn zum ersten Mal gelesen hat.
00:09:19: Sie sagte ich habe ihn jetzt erst mal als Mutter gelesen und ich muss ihn nochmal lesen um ihn als Literatur zu lesen.
00:09:26: Das fand ich irgendwie sozusagen.
00:09:29: diesen zweiten Schritt fand ich total wichtig und sehr klug.
00:09:35: Und dann hat sie gesagt dass ich das schreiben muss was ich schreiben muss.
00:09:44: Sie, das Gefühl hat es stünde ihr gar nicht zu da einzukreifen.
00:09:48: Was für eine vertrauensvolle Geste ja
00:09:49: auch?
00:09:50: Ja!
00:09:50: Eine sehr mütterliche würde ich
00:09:52: sagen.
00:09:54: Sie haben eben schon die Krankheit ihrer Mutter angesprochen.
00:09:57: Darum geht's ja auch in dem Roman.
00:10:00: Ihre Mutter ist an Krebs erkrankt und mit dieser Krankheit verschieben sich ja durchaus auch die Rollen.
00:10:05: also Fürsorge kehrt sich um.
00:10:08: Wie hat denn diese Erfahrung ihren Blick auf Mutterschaft geprägt?
00:10:13: Ich glaube, deswegen habe ich auch darüber geschrieben.
00:10:17: Das ist etwas was uns allen passiert.
00:10:21: Es sei denn unsere Eltern versterben noch früher.
00:10:25: aber so diese Umkehr von wir kümmern uns um die Eltern.
00:10:29: Ist ja etwas was im besten Falle wenn die Eltern lange leben mir tatsächlich geschieht.
00:10:34: Deswegen fand ich es wichtig darüber zu schreiben.
00:10:37: Abschied, der ja irgendwann mal vor dem Abschied beginnt.
00:10:41: Also in dem Moment, in dem man merkt sie können vielleicht etwas nicht mehr und ich habe das... Ich hab glaube ich gar nicht realisiert wie sehr ich noch Kind war vorher weil ich behaupten würde dass ich dadurch dass meine Familie ist migriert das heißt ich musste.
00:11:01: relativ früh als ich nach Deutschland kam habe ich schnell besser Deutsch gekonnt als meine Eltern musste übersetzen, diese klassische Kinder-Migrationsgeschichte.
00:11:11: Und deswegen dachte ich, ich sei schon all die Schritte gegangen und ich sei lange kein Kind und hab mich ja schon gekümmert.
00:11:19: Dann habe ich gemerkt wie sehr ich noch Kind bin wie sonderbar es ist, das nicht mehr zu sein und zwar nicht in dem kümmern müssen.
00:11:29: Das glaube ich ist irgendwie ein Automatismus, in den man fällt sondern eher in der Feststellung dass in dem Moment in dem meine Mutter krank wurde Ich plötzlich nicht mehr das Wichtigste war.
00:11:41: Und das äußert sich dann gar nicht in irgendwelchen Alltäglichkeiten von wegen, weil sie nicht kommen zu Besuch und dann ist irgendwie der Tisch gedeckt oder solche Dinge.
00:11:50: Sondern einfach nur dass ich festgestellt habe meine Mutter spürte durch die Erkrankung ihren Körper so sehr, dass sie sozusagen das was ihr Automatismus in ihrer Form der Mutterschaft war nämlich irgendwie wenn die Kinder anrufen oder zu besuch kommen, dann ist es das wichtigste Das war es nicht mehr.
00:12:10: Es war überhaupt nicht schlimm und ich fand selbstverständlich, und ich hab mich wahrscheinlich auch erst mal gefreut weil ich meine Mutter auch immer vorgeworfen habe dass sie sich zu sehr um die Kinder dreht.
00:12:21: aber ein Teil von mir sagte Aber Ich bin doch jetzt da!
00:12:25: Wieso?
00:12:26: So kann ich erst jetzt irgendwie verstehen, aber ich weiß noch das so eine Traurigkeit überkam Die Neben der Traurigkeit über die Krankheit da war, war eben die Traurigkeit darüber.
00:12:40: Dass ich kein Kind mehr war.
00:12:42: Trauer ist ja ein Zwiege was in dem Roman E ganz häufig auch thematisiert wird denn an ganz vielen Stellen geht es ja auch darum.
00:12:49: also ne?
00:12:50: Die Krankheit der Mutter das eigene Entwachsenen der Tochterrolle dann vielleicht ja auch aber auch trauer um den eigenen Körper und verpasste Möglichkeiten über ein Kind dass nicht die Chancen bekommen dies verdient hätte.
00:13:02: Was wollten Sie über mütterliche Trauer sichtbar machen, dass sonst kaum erzählt wird?
00:13:07: Ich glaube ich habe mich wahnsinnig gestört an dem Bild von Mutterschaft als ein grundglücklichen Zustand.
00:13:17: So dieses irgendwie.
00:13:19: das Kind kommt auf die Welt man liebt es sofort alle sind glücklich die Mutter sowieso und deswegen macht es auch gar nichts aus wenn man nicht schläft.
00:13:28: und jetzt sind wir bei ganz banalen Dingen.
00:13:30: da ist noch nicht.
00:13:31: Also da sind ganz andere Prozesse noch nicht dabei.
00:13:35: Weiß ich nicht, Frauen, die eben kein Kind bekommen können oder Frauen, der ein Kind verlieren oder Frauen sich deren Kind irgendwie im Verlaufe der Zeit erkrankt oder stirbt
00:13:46: etc.,
00:13:47: also ich bin selbst nur wenn alles gesundheitlich gut läuft und unkomplizipzt dann ist sozusagen eigentlich nur das was man sieht und das hat dann glücklich zu sein.
00:13:59: ja Das finde ich extrem anstrengend.
00:14:05: Und je mehr und das habe ich so über die Jahre festgestellt, hier ehrlicher und authentischer Menschen und in dem Fall Frauen- und Mütter aber auch die Nichtmütter erzählen, des Tor mehr sieht man das.
00:14:21: Trauer über verschiedene Dinge ja?
00:14:24: Und sei es eben über wer Ich verliere mich weil ich Mutter bin oder eben über Erkrankungen, etc.
00:14:34: Oder weil man plötzlich feststellt was für tradierte Konflikte mit der Eigenmutter irgendwie noch in einem Nachtrag und auf die Kinder weitergegeben werden.
00:14:44: also egal welche Form von Trauer wird eigentlich relativ wenig finde ich in der Literatur erzählt.
00:14:54: Es gibt so ein paar klassische Geschichten, es gibt irgendwie ich habe einen Baby bekommen und jetzt bin ich total gestresst weil ich nicht weiß wann ich weiß ihn nicht arbeiten oder mir einen Kaffee machen soll und das gibt dieses was ich ja auch mache die Mutter liegt im Sterben oder die Mutter ist gestorben und ich versuche sie rückwärts kennenzulernen.
00:15:14: Das sind die zwei würde ich sagen Topoi in der Literatur sicherlich nicht nur aber das sind die häufigsten und ich hatte das Gefühl eine Brandbreite an Gefühlen und eben auch an verschiedenen Traurigkeiten, die genauso ihren Raum haben müssen oder dürfen oder sollen.
00:15:33: Also trauer auch als erzählerisches Potenzial an der
00:15:37: Stelle?
00:15:37: Ja!
00:15:39: Mir ist das beim Lesen aufgefallen dass ich mit dieser ganzen Trauer, also das Buch ist jetzt auch nicht durchweg traurig.
00:15:45: Das ist kein Eindruck der entstehen soll.
00:15:47: aber es ist mir aufgefallen und ich fand das interessant zumal ich ganz oft das Gefühl hatte dass dann auch Trost schnell wieder ein Thema war.
00:15:55: Also dieses fürsorgliche Potenzial in Trauer durchtrösten durch sich selbst einen Trust zu suchen fand ich tatsächlich auch sehr sichtbar und habe mich so ein bisschen gefragt aber auch hier wieder die Mütterlichkeit reinkommt oder das Fürsorgliche an der Stelle dass man merkt man ist eben nicht alleine.
00:16:12: es gibt einen Austausch ins besondere Solidarität mit anderen Müttern auch.
00:16:16: Das war ja schon sehr sichtbar in den Texten.
00:16:19: Ich würde sagen, es ist nicht das Fürsorgliche.
00:16:21: Es ist das Solidarische und wir sind alle nicht allein.
00:16:28: Es gibt zum Beispiel dieses eine Kapitel wo es zum Mütter geht von Kindern die irgendeine Form von Erkrankung haben Und ich habe lange überlegt, wie ich das schreibe und dann wurde mir klar.
00:16:41: Ich kann das nicht an einer Figur erzählen weil dann ist wieder eine Figur ausgestellt und man denkt oh die Arme da hab' ich wirklich mitgelitten beim Lesen.
00:16:50: aber es gibt so viele und die Erkrankungen der Kinder sind so unterschiedlich und die Erfahrungen, die Schicksale sind so unterschiedlich.
00:16:59: Sie sehen sich alle nicht und wir sehen alle einander nicht in dem Schmerz, den wir jeweils haben oder hatten.
00:17:06: Oder der uns vielleicht noch bevorsteht.
00:17:09: Und es ist so ein bisschen wie so.
00:17:10: ich wollte sie alle einanderschenken.
00:17:14: Ich hatte auch immer die Vorstellungen, die versammeln sich alle aber nicht in das Selbsthilfegruppe sondern einfach nur... Wieso als würde man sie plötzlich sehen so ein bisschen wie wir, wenn also die Fußball-Fans, die erkennen sich ja immer an den Trikots und so.
00:17:27: Und die würden sich auch erkennen.
00:17:29: So ein bisschen.
00:17:31: Das ist ein super eindrucksvolles Kapitel für mich gewesen, auch beim Lesen weil ich finde es wurde dabei auch nochmal deutlich dass eigentlich alle Mutterrollen versuchen das gut zu machen, das richtig zu machen dann doch sich nicht der Bewertung der anderen auch entziehen kann und dass die unterschiedlichen Kontexten, denen das ganze Stadt findet, Mutterschaft halt einfach sehr, sehr unterschiedlich und vielfältig auch sein können.
00:17:56: Und nichtsdestotrotz ist im Text ja auch angelegt, dass Mütter als sehr eigenständige Persönlichkeit mit Geschichte und Widersprüchen und ganz persönlichen Eigenschaften dargestellt werden.
00:18:07: Ich habe mich gefragt ob darin auch so eine Form von Würde liegt, die man den Frauen zurück gibt?
00:18:14: War das ein Gedanke, Würde zu thematisieren?
00:18:21: Ich glaube es war eher eine Haltung.
00:18:23: Also ich setz mich nicht hin und hab so ne Vorstellung was sich den Figuren mitgeben möchte also sowas wie Würde.
00:18:32: aber die Haltung die ich hatte war dass ich sie mit Respekt behandeln wollte und vielleicht ihnen auch da den Respekt geben, wo sie ihn nicht bekommen.
00:18:48: Und ich hatte so... es gibt sogar zwei so Stellen im Buch, wo ich irgendwie schreibe, also einmal irgendwie, ich lege ihr einen Schalen, ein Kaschmirschal glaube ich um die Schultern und einmal geht's um eine Decke mit der eine Mutter zugedeckt wird, die müde auf dem Sofa einschläft und das war so'n bisschen irgendwie ... Also ja, man könnte sagen es ist jetzt wieder sehr fürsorglich.
00:19:11: Ein Schal um die Schultern und eine Decke auf dem Sofa.
00:19:14: aber es ist eher einfach nur was Menschliches würde ich sagen oder?
00:19:18: Wenn man sieht dass jemand müde ist zu sagen hier ist ne Deckel würde ich jetzt also das Fürsorgliche oder diese Beschreibung von Das ist Jetzt Wieder Care und Es sind Die Frauen Das Ist Ja auch Ne Sehr Gesellschaftliche
00:19:32: Betrachtung
00:19:33: oder Bewertungen möglicherweise.
00:19:35: Um Bewertung geht es natürlich ganz viel, wenn man sich mit Mutterschaft beschäftigt und ich würde einfach nur sagen Es geht um menschliche Gesten.
00:19:44: Und dass sie als Mütterlich-Tschuldigung vielleicht noch den Satz und weiblich gelesen haben sagt eigentlich etwas sehr Trauriges über die Männer aus.
00:19:52: Das wäre jetzt auch tatsächlich gerade mein Take gewesen ist doch spannend das wir in einer Diskussion darüber wie wir es schaffen für andere da zu sein Versuchen wollen nicht zu viel Wert auf das Wort Fürsorge zu legen, weil es gesellschaftlich so negativ ist.
00:20:06: Wenn das doch eigentlich die Stärke ist, die uns als Gesellschaft ja auch zusammenhält sich um einander zu kümmern oder erst mal die Prämisse zu formulieren wir sind uns nicht egal.
00:20:15: Ich glaube da steckt daher auch sehr arg hinter.
00:20:18: Ja Zusammenhalten würde also angesichts der Weltlage würde ich sagen Es ist ein Zusammenhalten Würde und Nicht-Zusammenheld.
00:20:24: Und ja, ich glaube es geht um sowas wie Ich seh dich.
00:20:28: Mir muss es ja nicht sein und wenn das wirklich eine weibliche Eigenschaft wäre dann wär die Welt noch viel trauriger als hier sowieso schon ist.
00:20:42: Wir haben schon angerissen, dass es sehr viele unterschiedliche Mütterperspektiven gibt.
00:20:47: Sie haben schon zu Beginn gesagt, es gibt Frauen die abtreiben, Frauen, die keine Kinder bekommen können, die vielleicht hadern mit der Mutterrolle, die ihre Kinder auch verlieren.
00:20:57: War Ihnen direkt zu Beginnn klar das Buch eher als Sammlung von diesen Perspektiven?
00:21:05: Als Mosaik erzählen wollen und auch mal von ihrer Rolle so ein bisschen Abstand nehmen
00:21:09: Ja.
00:21:13: Weil ich unbedingt wollte, dass es ganz viele sind und eigentlich... Also wenn's nach mir gegangen wäre, mir wurde dann klar, das geht nicht.
00:21:21: Aber ich hätte das Mosaik noch viel größer gemacht!
00:21:24: Ich hatte also meine Liste von Müttern und Nichtmüttern die ich erzählen wollte, hätte noch irgendwie für acht weitere Bände gereicht.
00:21:33: Und ich wollte einfach zeigen, Auf der einen Seite ist es so universell, dass wir alle eine Mutter haben.
00:21:41: Gleichzeitig gibt es viele Geschichten zu erzählen, wie es uns Menschen von Müttern und Mutterschaften gibt, sowohl zu der eigenen Mutter als auch nach, ob man ein Kind hat oder nicht oder sich dafür oder dagegen entscheidet oder entscheiden darf.
00:21:59: Ich kann natürlich nicht alle Geschichten erzählen aber ich wollte zumindest diesen Gedanken aufwerfen also diese Pluralität ... und gleichzeitig etwas Verbindendes.
00:22:10: Und gleichzeitig ist ja doch das Autobiografische drin oder das Autofiktionale an der Stelle?
00:22:15: Das hatte
00:22:15: ich nicht vor, am Anfang
00:22:16: interessant!
00:22:17: Also also... Ich hatte am Anfang eben das Mosaik der anderen vor und dann wurde mir klar auch weil ich so ein bisschen dachte, ich schreibe jetzt nicht mehr über meine Mutter so, ich bin jetzt durch und dann dachte ich dass es nicht ehrlich wäre.
00:22:35: diesen Roman nicht schreiben kann ohne die eigene Auseinandersetzung von mir zu meiner Mutter, also von dem Beziehungsgeflecht sozusagen nach oben und nach unten mit hineinzunehmen.
00:22:48: Weil es immer eine Rolle spielt.
00:22:50: Also auch wenn ich mich in eine Figur hinein versetze oder eine Figure von außen ansiege, egal wie ich die Perspektive aussuche ist dann natürlich trotzdem irgendwie mein Blick mit drin.
00:23:01: Und weil ich auch das Gefühl hatte... dass ich, weil ich die anderen ja schon sehr in intim Situationen darstelle.
00:23:12: Es sind fiktive Figuren aber für mich sind sie ja nicht fiktiv, die sind ja da!
00:23:17: Und die eine ist auf dem Weg zu einer Abtreibung und geht in diesen Operationssaal.
00:23:23: Dann gibt es all die Mütter, deren Kinder erkrankt sind.
00:23:27: Es gibt alle Müttern Kriegssituationen, deren Söhne sterben.
00:23:30: Es gibts irgendwie viel Ungutes auch.
00:23:34: Es ist nicht immer traurig aber es gibt Schwierigkeiten würde ich sagen Und die alle so privat zu zeigen, obwohl sie fiktiv sind und mich wegzulassen hat sich ganz schön ferritorisch angefühlt.
00:23:46: Auch wieder ein solidarischer Gedanke?
00:23:48: Wir sind jetzt
00:23:49: wahrscheinlich.
00:23:50: Wann war denn klar dass es dann?
00:23:52: also gab es einen Moment in dem Sie dann wussten okay jetzt muss ich mich hier auch mit einbringen oder war das dann doch recht schnell zu beginnen klar als ich das vorhaben war?
00:24:01: ja
00:24:02: Ich habe tatsächlich angefangen bei der Abtreibung, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, dass ist der Moment in dem sich etwas entscheidet und eben eine Mutterschaft die auf deiner Seite körperlich da ist aber die nicht durchgeführt oder ausgeliebt wird.
00:24:21: Da erzählen zu müssen und dann habe ich mich gefragt wo ich weiterschreibe Diese Frau, ich kann noch so oft hineinschreiben, dass sie sieben warme Cashmere Schalz bekommt.
00:24:34: Aber am Ende steht sie alleine da und damit sie nicht alleine dasteht muss sich auch daneben stehen.
00:24:38: Man setzt sich mit an den Tisch?
00:24:42: Wie findet man dann die Balance zwischen den fiktiven Muttergeschichten, die initial mal das Ziel des Vorhaben waren und der eigenen Perspektive?
00:24:51: Das
00:24:51: war ganz intuitiv.
00:24:53: Ich hab immer parallel geschrieben, also ich habe sozusagen die Ist-Stimme von der ich auch ... Die zieht sich ja grad so ein bisschen als roter Faden durch den Roman.
00:25:01: das war nicht klar.
00:25:02: Also ich dachte es wird einfach ein weiteres Kapitel und ich hab die immer so'n bisschen in Absätzen Parallel geschrieben.
00:25:08: Also, ich hab immer einen Kapitel bearbeitet und parallel immer die Iststimmer hier da, einen Absatz Und dann hat das am Ende alles so ein Sinn ergeben dass klar war dass ich muss, es ist so ein bisschen ... Es fühlt sich an als würde ich eben die Frauen irgendwie hineinlassen.
00:25:28: Also müsste ich halt als eher so ein Bisschen wie vielleicht ... Ich ist schon wieder überstrapaziert aber so ein bisschen Wie wenn man vorgeht und die Kinder gehen halt nach Und dann sagt man So jetzt gehen wir über die Straße
00:25:40: Habe ich auch das Bild vor Augen mit dem Zebra Streifen Die Mutter bleibt an der Seite stehen guckt, dass alle sicher rüber kommen Genau
00:25:47: Oder sie geht vor und guckt so.
00:25:49: Aber jedenfalls muss ich diese anderen begleiten.
00:25:53: Ja,
00:25:54: das ist ein schöner Gedanke!
00:25:56: Wir haben schon angerissen dass es manchmal über Trauer geht und dass es auch mal widersprüchliche Situationen gibt.
00:26:04: im Grunde schreiben sie ja sehr offen über die Ambivalenz.
00:26:08: also das Mutterschaft hier auch.
00:26:10: harte Arbeit ist körperlich und emotional und zugleich halt tröstlich und beglückend.
00:26:14: darüber haben wir auch schon gesprochen.
00:26:17: Warum reiben wir uns denn gesellschaftlich immer noch so stark an dieser Ambivalenz?
00:26:20: Also warum erscheint sie auch immer noch, so erklärungsbedürftig.
00:26:25: Naja ich glaube es ist auch eine kulturelle Frage.
00:26:27: also ich würde sagen also meinen Eindruck sofern nicht das mit meinem subjektiven Blick sagen kann ist dass sich hier zu landen nochmal die ambivalenz schwerer auszuhalten ist Weil es noch bestimmte Mutterbilder gibt, die aus der Nazi-Zeit stammen und die immer noch durchaus prägend sind.
00:26:48: Also ich weiß noch was das ... Es gab dieses Buch oder diese Studie Regrating Motherhood Und das würde ich sagen hat hier empfündet, jetzt für größeren Aufruhe gesorgt als in anderen Ländern.
00:27:02: Ich glaube dass wir uns hier nochmal mehr aufreiben an diesem Bild.
00:27:06: Eine Mutter hat eben glücklich zu sein weil sie ja die Kinder Und alles, was davon abweicht widerspricht ja auch nicht nur Bildern sondern eine gesellschaftlichen Ordnung.
00:27:19: Die irgendwie dafür sorgt dass die Dinge so funktionieren wie sie nun mal funktionieren?
00:27:24: Ich frag mich manchmal vielleicht ist es tatsächlich auch so ein Bubble-Ding das man ja häufig auch so kennt.
00:27:32: für mich wenn ich mit Freundinnen darüber spreche ist es oft so na klar sind wir sehr glücklich aber natürlich sind wir auch manchmal höchst genervt davon sich jetzt ein kleines Menschlein gerade kümmern zu müssen, weil wir lieber was anderes machen wollen oder so.
00:27:46: Diese Ambivalenz ist also irgendwie recht da.
00:27:50: Wir kennen die gut.
00:27:51: aber ja klar mit meiner Mutter würde ich da vielleicht auch noch mal anders drüber sprechen.
00:27:54: Also es sind Generationen und vielleicht auch ein Thema das entwickelt sich langsam weiter?
00:27:59: Ja und ich glaube sozusagen... Also das eine ist, dass genervt sein diese Dinge.
00:28:05: Wieso jetzt muss ich das Kind ins Bett bringen und ich würde viel lieber ins Kino gehen?
00:28:08: Das ist das Eine.
00:28:09: aber dann gibt es ja eben die grundlegenden Fragen, die sich vielleicht auch weniger in dem generften Moment stellen sondern eher vielleicht auch im Rückblick, wie unsere Mütter das tun.
00:28:20: Also wer hätte ich werden können?
00:28:23: Was bedeutet es, dass ich so oft die Kinder ins Bett gebracht habe und das sind dann ja tiefer und größere Fragen als jetzt nur zu sagen Ich bin genervt oder dass ist anstrengend Und trotzdem hab' ich sie lieb und Sie sehen süß.
00:28:38: was man ja auch immer hinzufügen muss Ja also es ist eben nicht Aber die sind ja auch so süß.
00:28:48: Was wir bei anderen Dingen nicht tun, also ich glaube, wir sind eher in der Lage bei anderen Themen seines politischen oder seines beruflichen so... Also wenn man sich jetzt über den Chef oder die Chefin aufregt sagt man nicht.
00:29:00: Aber sie ist mein Job trotzdem mehr!
00:29:01: Genau
00:29:03: und deswegen glaube ich, dass dieses... Ich bin genervt von meinen Kindern.
00:29:09: Das haben, glaube ich auch schon andere Generationen gesagt.
00:29:14: Vielleicht sogar noch mehr weil es bei uns ja so ein bisschen die Kinder sehen aus wie kleine Minimis.
00:29:20: So ist das ja noch ein bisschen ein Statussymbol.
00:29:25: Ich habe das Gefühl meine Mutter hat immer sehr klar gesagt ihr seid auch nervig und aber die großen Fragen werden wenig diskutiert.
00:29:36: Worin liegt das denn?
00:29:37: Ich glaube, erstens ist keine Übung da.
00:29:39: Das ist etwas, was wir von unseren Müttern nicht lernen.
00:29:42: Also bis ... ich kenn so Geschichten von Freundinnen oder Freunden, die erzählt haben, dass ihre Mütter dann wirklich schon im Sterben gesagt haben, ja, ich hätte auch glücklich werden können ohne Mutter zu sein.
00:29:56: Oder ich hätte andersrum Frauen, die keine Kinder hatten und dann gesagt haben , ich hätte eigentlich gerne diese Erfahrung gemacht.
00:30:05: Aber jetzt so.
00:30:06: Aber diese grundlegenden Fragen von was bedeutet es, was gibt man auf?
00:30:12: Was bedeutet das dafür wie ich wahrgenommen werde.
00:30:14: Was bedeutet es eben auch an Trauer dieses irgendwie dass Mütter immer besorgt sind.
00:30:19: Was bedeutet es jeden Abend mit einer Sorge ins Bett zu gehen oder mit diesem parallel Gedanken, dass man die Kinder immer mitdenkt.
00:30:28: Die lernen wir nicht zu stellen.
00:30:29: also das sind keine Unterhalte oder zumindest sind das keine Unterhaltung, die ich kennen würde.
00:30:34: Das heißt es ist erstens Übungssache und zweitens etwas was ja auch wenig erwünscht wird.
00:30:43: Ich weiß nicht, wie viel so in Frage gestellt werden würde an unseren Lebensmodellen.
00:30:51: Wenn wir diese Fragen wirklich ausführlich diskutieren würden?
00:30:56: Die sind ja auch so anstrengend, diese Fragen.
00:30:57: Da muss man sich ja wirklich auch mal eine eigene Haltung überlegen.
00:31:01: Wie stehe ich selber dazu?
00:31:04: Das sind dann auch die Geschichten, die man sich selbst erzählt und die man vielleicht lange glaubt und hinterfragen müsste.
00:31:11: Man müsste sie hinterfragen, man müsste sich selbst zugestehen durch verschiedene Phasen zu gehen.
00:31:17: Was wir auch also Job ist glaube ich ein gutes Beispiel tun ja?
00:31:21: Also wie fragen uns passt dieser Job jetzt in diesem Moment zu mir?
00:31:25: oder man geht auch durch eine Phase wo man das ungern macht und dann erinnert man sich warum man das machen Wollte so.
00:31:32: Und diese Phasen gestehen wir uns in der Mutterschaft im Kurzen zu, also jetzt nervt das Kind weil es weint und ein drittes Eis möchte.
00:31:41: aber wie gestehn sie uns nicht über eine längere Phase?
00:31:44: So außer die Postnatalle Depression weil die ist so die ist inzwischen angekommen glaube ich
00:31:50: haben Sie In der Textentwicklung auch darüber mit Ihrer Mutter gesprochen
00:31:56: Über diese Fragen
00:31:58: oder sich selber auch gestellt.
00:32:00: Ich hab sie mir gestellt, ich hab sowieso ... Es war total interessant.
00:32:05: Weil ich irgendwie ja viele Themenbereiche beschreibe die ich selbst nicht kenne und ich hab gedacht, ich muss vielen Menschen interviewen.
00:32:15: Und ich muss sie suchen und ich muss vorsichtig sein wie befrage weil ich niemandem zu nahe treten möchte und all das.
00:32:22: Sobald ich irgendwie sagte, ich schreibe über Mütter also waren ... Booten sich die Menschen an, mir Geschichten zu erzählen.
00:32:30: Es gibt auch Kapitel, die tatsächlich entstanden sind weil mir jemand etwas erzählt hat und ich dachte okay das fehlt noch.
00:32:37: Und ich habe diese Fragen glaube ich eher mit anderen diskutiert als mit meiner Mutter, weil ich bei ihr wirklich eher versucht habe diesem nachzugehen.
00:32:48: was habe ich in dir übersehen oder was oder was würdest du?
00:32:54: Sie sagte für sie, ist es nicht die Frage wer bist du?
00:32:57: Sondern wer wärst du geworden so.
00:33:00: Also sie hat sich gefragt, wer wäre sie geworden?
00:33:04: Ohne!
00:33:05: Ohne mich.
00:33:09: Wir haben das eben schon auch mal kurz angerissen Migrationen Scham Einsamkeit.
00:33:13: Auch da spielt ja eine Rolle gerade in der Beziehung eben auch zu ihrer Mutter verändertes die Mutter-Tochter Dynamik wenn man gemeinsam in einem fremden Land lebt und auch ein Stück weit funktionieren muss?
00:33:27: Ja, definitiv auf vielfache Weise.
00:33:32: Also erstens verändert es die Dynamik insofern als das was man... Und das gilt nicht nur für die Mutter sondern für die Eltern allgemein.
00:33:39: dieses Die Eltern wissen schon Bescheid und so sie sind Fels in der Brandung oder... Aber jedenfalls geben einem so eine Sicherheit, das fällt einfach von einem Tag auf den anderen weg.
00:33:50: Weil man ihn einfach merkt.
00:33:53: Also im schlimmsten Fall sind sie noch unsicherer als man selbst oder mindestens genauso unsicher.
00:33:57: Das heißt sozusagen dieses Entzaubern was ja immer irgendwann mal kommt aber meist irgendwie mit der Pubertät.
00:34:06: Das kam bei mir schon früher Und dann ist gleichzeitig wird die Bindung enger, weil man so aufeinander angewiesen ist.
00:34:15: Also beide Seiten und man ist so auf dieses Familiengefüge angewiesen, weil es keinen Außen gibt.
00:34:21: also es gibt nicht ich gehe jetzt mit meinen Freundinnen los und ich finde ich gerade nervig sondern es gibt nur die Familie und man isst aufeinander angewisen.
00:34:29: also erst mal war ich als Kind angewesen dass meine Mutter für mich übersetzte irgendwann war es andersrum.
00:34:36: Und gleichzeitig ist das, was in der Pubertät geschieht.
00:34:42: Nämlich dass man sich entfremdet... Also der Schritt muss größer sein weil man sich nicht nur so entfernt wie sich Mütter und Töchter entfernen sondern weil man ja auch in eine andere Welt geht die die Mutter nicht kennt.
00:34:57: Das heißt sozusagen es ist einfach der Schritt ist größer.
00:35:02: also erst hängt man näher aneinander und dann muss man weiter auseinander.
00:35:06: Und wie schafft man das gemeinsam?
00:35:09: Ich glaube, dass es für einen Moment kein Gemeinsam geben kann.
00:35:14: Also im besten Falle gibt es irgendwann mal wieder ein gemeinsamen oder gemeinsame Nähe.
00:35:20: aber erst einmal kann es glaub ich keines geben also zumindest nicht in meiner Erfahrung.
00:35:26: Ja und dann versucht man sich anschließend wieder anzunähern.
00:35:30: Ist da Wort bis man sich wieder annähern möchte.
00:35:34: Jemand sagte mal zu mir Eine Frau, die aus dem Iran kam, erzählte mir nach einer Lesung.
00:35:43: Sie sagte, sie hat das Gefühl, sie hatte eine doppelte Pubertät, also Pubertäte hoch zwei gemacht und dann dauert natürlich die Annäherung dementsprechend.
00:35:50: Doppelt so lange?
00:35:51: Genau!
00:35:52: Sie haben eben kurz auch den Vater angesprochen.
00:35:57: im Buch taucht der Vater ja nur am Rand auf dass sie so liebevolle Gesten, die der Vater gemacht hat automatisch als mütterliche Geste einsortiert haben.
00:36:08: Das fand ich wirklich sehr spannend.
00:36:09: also ein Zitat ist nehme meinem Vater die Liebe ordne Sie bei den Müttern ein?
00:36:15: Ist diese Fokussierung auf die Mutter eine literarische oder eine gesellschaftliche Realität?
00:36:22: Also in dem Fall war es wirklich eine literare Entscheidung.
00:36:27: Aber es gibt natürlich auch irgendwie eine gesellschaftliche Realität im Sinne von
00:36:32: ...
00:36:34: Also dadurch, dass es dieses Bild nun mal herrscht.
00:36:37: Dass es die Mutter gibt?
00:36:41: So!
00:36:41: Alleine wenn man Mutter googelt, dann sieht man das Kind wird immer gehalten und es lacht immer.
00:36:50: Die Mutter würde nie irgendwie.
00:36:52: Ich weiß nicht, Mutter sitzt in einer Ecke, Kind sitzt in der anderen Ecke.
00:36:56: Da müsste man schon sehr explizite Suchanfragen dafür stellen und ich glaube es wird einfach so gelebt... Gut, jetzt lebe ich in Bayern.
00:37:07: Ich weiß nicht wie das in anderen Bundesländern, aber wenn das Kind in der Schule krank wird, werde ich erst mal angerufen.
00:37:14: Auch die Trotz der Tatsache dass meine Kinder schon einem sehr kleinen Alter sehr groß verkündet haben, meine Mutter wird nie einen Kuchen backen.
00:37:23: Hier ist es immer bringen die Mama ein Kuchen
00:37:26: mit.
00:37:27: Ja na klar!
00:37:28: Es sitzt tief.
00:37:29: Genau also das heißt die literarische Entscheidung wurde würde ich sagen von gesellschaftlichen Umständen gefordert.
00:37:37: Ich frage mich wirklich, woran das liegt?
00:37:38: Dass man dann den Vätern wie an der Stelle das dann auch wirklich so bewusst wegnimmt durch diese Vokabeln.
00:37:44: ja am Ende des Tages war das was wo sie sich auch ein bisschen ertappt gefühlt haben beim Schreiben.
00:37:49: oder war das eigentlich nicht sehr überraschend?
00:37:53: Nein ich habe mich nicht ertapt gefühelt und ich hab tatsächlich ich wollte alle meine Mütter schreiben Und die Vita kommen vor, es gibt noch andere Stellen wo Vita irgendwie vorkommen aber ich wollte die Fokussierung.
00:38:11: Was wissen Sie denn jetzt über Mütter was sie vor dem Schreiben nicht gewusst haben?
00:38:16: Gute Frage dass sich noch nicht mal ein Millionst dessen erzählt habe was das zu erzählen gegeben hätte.
00:38:29: Vielen lieben Dank.
00:38:30: Wir hören jetzt einmal in den Text rein, zu welcher Textstelle nehmen Sie uns denn heute mit?
00:38:35: Ich fange einfach mit dem ich an und den ersten Seiten Und würde dann vielleicht tatsächlich Einfach noch ein Stück aus dem ersten Kapitel über das wir auch gesprochen haben über die Abtreibung
00:38:52: Liebend gern!
00:39:01: Ich Früher dachte ich meine Mutter wird jeden meiner Texte auf jeden Fall lesen Also werde ich mir früher sicher gewesen.
00:39:08: Sie liest auch diesen Text.
00:39:10: So wird es uns beigebracht, dass unsere Mütter sich für alles was wir tun, sagen, denken, schreiben interessieren.
00:39:18: Dass wir für sie das Wichtigste sind.
00:39:20: Jedes unserer Worte wertvoll!
00:39:23: Ich denke das nicht mehr seit meine Mutter krank ist und ein eigener Mensch mit eigenen Schmerzen.
00:39:30: Seit diese Schmerze so groß sind, dass sie mich ihren größten Schmerz so unterstelle ich manchmal überlagern.
00:39:38: So sehr ich die Schmerzen nehmen möchte, so sehr ich mir wünsche dass ihre Stimme wieder stark klingt nach ihr.
00:39:46: So sehr freut sich etwas in mir das die Schmärzen die ich ihr nehmen möchte nicht mich zum Grund haben.
00:39:54: Dass sie ihrer eigenen sind.
00:39:57: Ich verstehe nicht mehr alles was du schreibst sagte sie vor wenigen Tagen zu mir eine Erkenntnis die mit den Schmerzern nichts zu tun hatte.
00:40:07: Ich schreibe dies nicht für meine Mutter Auch nicht für meine Kinder, obwohl ich als Tochter schreibe, als Mutter in aller Verwundbarkeit den diesen Rollen steckt.
00:40:18: Ich lege sie aus wie Pflastersteine!
00:40:21: Wir setzen unsere Schritte auf das was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden.
00:40:26: Tragen Sie darin?
00:40:28: Für immer mit
00:40:28: uns!".
00:40:31: Das erste Notizbuch zu diesem Text ist ein blaues Schulheft, Diener V Ein Minion ist darauf abgebildet.
00:40:38: Proud to be a minion steht in schräger roter Schriftquer über dem Bild Das Kind hat das Heft beim Aufräumen aussortiert, brauche ich nicht mehr.
00:40:49: Meine Mutter hatte es ihm irgendwann mitgebracht seine Großmutter In der Hoffnung dass er darin rechnet oder schreibt oder malt In der hoffnung immer eine Freude zu machen.
00:40:59: Deshalb der Minion auf den Umschlag.
00:41:03: Meine Mutter weiß nicht, was ein Minion ist.
00:41:05: Sie sieht das gelbe Ding auf T-Shirts, Mapchen und Schlüssel anhängen, prangen auf einem ihrer Gänge durch die Läden, auf der Suche nach etwas, dass ihre Tochter und den Kindern ihrer Tochter eine Freude sein könnte.
00:41:19: Bezahlt?
00:41:20: Lächelt?
00:41:21: Steckt es vorsichtig in die Tasche!
00:41:24: Zeigt es zu Hause stolz meinem Vater, der bestimmt kommentiert – wozu brauchen sie
00:41:29: das?!
00:41:32: Das Kind weiß, was ein Minion ist.
00:41:34: Aber es mag keine Minions!
00:41:36: Ich nehme dem Kindesheft ab der Nachhaltigkeit wegen, schiebe es in die Schublade zu den schönen überteuerten Notizbüchern.
00:41:44: Hulle ich für diesen Text heraus als stellte ich damit eine Verbindung zu meiner Mutter her.
00:41:50: Als gebe sie mir so die Erlaubnis, diesen Text zu schreiben – von dem sie noch nichts weiß?
00:41:57: Von dem auch ich nur weiß dass er Mütter versammeln soll und nicht Müttern Uns alle irgendwie, unsere Kinder wie die Kinder, die wir nicht haben.
00:42:07: Von dem ich auch weiß dass ich mich nicht weglassen kann und damit auch nicht sie meine Mutter.
00:42:15: Wenn ich dies schreibe, tue ich das als der Mensch den meine Mutter erzog.
00:42:20: Mensch Nicht Frau Erzog.
00:42:23: Ich bin kurz davor des Wortes zu löschen.
00:42:25: Erziehen hat in der deutschen Sprache diesen Beigeschmack, als würde man die Kinder ihrer Form und Eigenart berauben, der Freiheit ein eigener Mensch zu werden.
00:42:36: Als biege man sie zurecht!
00:42:38: Also schreibe ich zu einem Menschenmachte – zu der, die diese Worte schreibt.
00:42:45: Obwohl meine Mutter schon lange denkt Ich sei hier entwachsen Und ich ihr das Gegenteil verschweige Wie ich hinwachsere zu ihr Machutka.
00:42:58: Schwarze Schuhe mit Absatz.
00:43:00: Die Absatzzole abgelaufen, rechts und links ist ein Stück abgebrochen vorletzte Woche schon.
00:43:06: Sie müsste den Schuh zum Schuster bringen aber der Schuster hat nicht die Zeit ihren Schuh zu reparieren und sie hat keine Zeit zum Schuster zu gehen um ihnen sagen zu hören dass er nicht die zeit hat.
00:43:18: Außerdem hatte sich nach nur wenigen Tagen daran gewöhnt links das Gewicht nicht auf die Ferse zu legen.
00:43:25: Sie läuft vorne auf den Ziehenspitzen wie eine Ballerina, aber an Ballerinen denkt sie nicht.
00:43:30: An den linken Schuhen mit dem kaputten Absatz denkt sie auch nicht – vielleicht lässt sich heute nicht denken?
00:43:36: Vielleicht hat sie sich heute des Denken verboten?
00:43:40: Die Zeit hat sie im Kopf!
00:43:41: Sie eilt mit kleinen, aber hastigen Schritten.
00:43:45: Ihre Augen suchen den Schneematsch nach Schlaglöchern ab.
00:43:49: Was ist grauer heute der Schneematch.
00:43:51: mehr Erde denn Schnee Tropfende, glitschige Masse.
00:43:55: oder ist es der Himmel?
00:43:57: Sie hat keine Antwort auf diese Frage.
00:44:00: Falls sie sich diese Frage nicht stellt!
00:44:02: Der Matsch-Anstör Faktor in dem die Füße versinken und der Himmel schickt zum Glück keine weiteren Hindernisse kein Regen, keinen Schnee.
00:44:11: Dem Himmel ist heute alles egal.
00:44:14: Sie eilt – sie möchte.
00:44:16: nein, sie muss als eine der Ersten da
00:44:19: sein.".
00:44:19: Vor acht wäre er am besten.
00:44:21: Am besten, sie wäre die
00:44:23: Erste.".
00:44:24: Das ist das Mindeste heute!
00:44:27: Den Schuh kann vielleicht ihre Mutter zum Schuster bringen?
00:44:30: Vielleicht kann Ihre Mutter den Schuster
00:44:32: überreden?!
00:44:33: Ich wünschte, ich könnte ihr einen warmen Schal um die Schultern legen.
00:44:37: Kasch mir vielleicht grün!
00:44:39: Kennst du dieses Wort?
00:44:40: Kasch mehr?
00:44:41: Ich weiß es nicht – ich wünsch dir, ich könnt dir ja den Schal Um die Schultern legen mit deiner zarten wollenden Geste….
00:44:49: Ihre Mutter wird den Schuh für sie zum Schuster bringen an einem anderen Tag.
00:44:53: Ihre Mutter würde alles für Sie tun, aber was tut ihre Mutter jetzt in diesem Moment?
00:44:58: Weiß sie von ihrer grauen allenden Tochter?
00:45:02: Weißt sie alles oder das Wichtigste heute?
00:45:05: Wartet sie nervös auf und ablaufend auf eine Nachricht, blickt sie ebenfalls auf die Uhr?
00:45:11: Wie wird ihr die Nachricht überbracht und wie könnte diese Nachricht lauten?
00:45:16: Alles gut
00:45:16: gegangen?".
00:45:17: So ein Glück?
00:45:19: Ich weiß nicht einmal, wie Sie miteinander kommunizieren.
00:45:22: Die Mutter mit der Tochter und anders herum.
00:45:24: All die Menschen, die noch keine Telefonapparate in ihren Wohnungen stehen haben.
00:45:29: Wird sie später in der Metro stehen weil die Sitzplätze besetzt sein werden wird sich in die Metro quetschen um zu ihrer Mutter zu fahren um ihr die Nachricht zu überbringen von der ich nicht weiss wie sie lauten könnte.
00:45:42: Ich weiß Nicht einmal Wie Sie miteinander Kommunizieren Und ich erzähle dennoch von Ihnen Der Tochter, der Mutter.
00:45:51: Im Bus steht sie eingeklemmt zwischen Körpern.
00:45:54: Ihr Körper gequetscht – da bußen die Schultern und alles was sich im Körper befindet auch!
00:46:01: Die Körper um Sie sind den Mantel gewickelt in Stoffen, Pelz.
00:46:04: An ihre Wange reibt ein rauer Herrenmantel grauer Filz.
00:46:08: ihr ist als sei es die Farbe, die Ihre Wange
00:46:11: kratzt.".
00:46:12: Eine Faust ohne Absicht an ihrem Bauch, eine Faust die eine Leder-Tasche umklammert.
00:46:18: Die Knöchelschnee weiß.
00:46:20: Etwas warnt in ihr Vorsicht bitte!
00:46:23: Aber sie denkt rechtzeitig daran zu schweigen.
00:46:27: Ein junger Mann mützenlos Spindeldürs steht auf, um einer älteren Dame den Sitzplatz freizumachen, presst sich mit seinem dünnen Hinterteil an Sie sein Hinterkopf in Ihrem Gesicht.
00:46:38: Sie riecht nichts, das ist die Erkältung.
00:46:40: Sieht nur die strehnigen schwarzen Haare in seinem Nacken.
00:46:44: Das er nicht friert ohne Mütze bei diesem Wetter.
00:46:48: Die Erkeltung schleppt sie seit vorletzter Woche mit sich herum.
00:46:51: Nachts schläft sie schlecht mit der verstopften Nase Schleft nicht ein, wälzt sich hin und her Seufzt manchmal aber weint nie.
00:47:00: Da sind einfach keine Tränen da is auch kein Kind.
00:47:06: Dass ich das so genau weiß dass sie nicht weint.
00:47:09: Wer kann das schon brauchen, das Weinen?
00:47:11: Und wie sollen Sie helfen?
00:47:13: die Tränen?
00:47:14: Weiß Ihre Mutter, dass die Tochter nicht schläft?
00:47:18: Weiss sie, dass ihre Tochter im Bus von Körpern gequetscht wird?
00:47:22: jetzt gerade, dass ihr Körper gequetzt wird, dass sie schweigt als die fremde Faust in ihren Bauch fährt unabsichtlich versteht sich.
00:47:31: Die Mutter weiß, dass heiße Milch mit Honig gegen eine Erkältung hilft.
00:47:35: Das hat sie zu wissen als Mutter.
00:47:37: Mütze, Schal die Füße müssen warm sein.
00:47:40: Warme Socken aus Wolle von jemandem
00:47:42: gestreckt.".
00:47:44: Der Bus ruckelt über Schlaglöcher gibt keine Ruhe ein Ellbogen in ihrer Seite eine Tasche, die gegen ihren Oberschenkel klatscht.
00:47:52: Ihre Mutter weiß heute nichts aber das glaube ich nur zu wissen.
00:47:56: Ich schnappe mir ohne um Erlaubnis zu fragen Eine fremde Geschichte.
00:48:01: Kleide sie in meine Infremdeworte.
00:48:05: Sie steigt nicht aus, sie wird genau genommen gestoßen.
00:48:09: Das spindeldürre junge Mann fällt beinahe in ihren Rücken fängt sich.
00:48:13: im letzten Moment überholt sie blitzschnell!
00:48:17: Dass diesem dumm Kopf der Kopf nicht friert.
00:48:20: weiß seine Mutter dass er ohne Mütze ohne Schal auf der Straße läuft heute in diesen März?
00:48:26: Ich sehe sie gekonnt einer Pfützer ausweichen.
00:48:29: Seh wie ihr linke Arm beim Laufen schwingt Der rechte aber klemm die Tasche an die Seite.
00:48:34: Seh ihr Gesicht nicht, sie hält die Augen auf dem Boden.
00:48:38: Ich sehe Sie kann Ihre Schritte zählen aber Ihren Namen kenne ich nicht.
00:48:44: Ich weiß nicht ob ihre Mutter weiß vielleicht sogar weiß obwohl die Tochter nichts erzählte.
00:48:50: Mütter wissen doch angeblich so viel auch ohne dass die Töchter erzählten manchmal zuviel und häufig alles was sie nicht wissen sollten.
00:49:00: Den Töchtern wiederum bleibt nur eine Ahnung.
00:49:03: Sie wissen, welche Fragen verboten sind ohne dass sie jemals jemand mit Worten verboten hätte.
00:49:10: Die Mütter bewahren die Töchter vor Schmerz und so gut sie können – vor dem Leben!
00:49:17: Dann steht sie vor dem Gebäude.
00:49:19: Rote Ziegelsteine aber das Roteste braun mutiert und der Himmel färbt des Brauen heute grau.
00:49:28: Jetzt versucht sie ihren Mantel vom Matsch zu befreien.
00:49:31: Erst kloppt sie ihn ab, dann wirst Sie die Reste mit gehetzten Strichen hinunter – zum Schluss hebt sie den unteren Saum mit den Handschuhen an, rüttelt ein wenig!
00:49:41: Der Mantel ist noch nass aber er kann immerhin nicht mehr tropfen.
00:49:45: Sie stampft mit den Füßen auf um den Matsch nicht gleich drinnen auf dem Linoliumboden zu verteilen Das der Boden-Linolium ist?
00:49:54: Sie war schon einmal in diesem Gebäude In seinen Gängen in seinen Zimmern, sie war schon einmal hier oder zweimal.
00:50:03: Sie all die Stufen hinauf blickt sich bevor sie die schwere Tür öffnet noch einmal um als könnte jemand ihr folgen, als käme ihr jemand vielleicht doch noch zuvor.
00:50:13: Jemand?
00:50:14: Eine!
00:50:15: Vielleicht musste sie ja auch gar nicht umblicken.
00:50:17: Vielleicht fällt sie einfach ins Gebäude hinein, als hätte sie jemand gestoßen wie vor ziemlich exakt neun und ein halb Minuten aus dem Bus.
00:50:26: Die Minutenzahl Weiß ich genau, aber den Namen der Frau kenne ich nicht.
00:50:31: Ich möchte ihn vielleicht gar nicht
00:50:33: kennen.".
00:50:34: Sie könnte Olga heißen Natascha Irina?
00:50:38: Sie könnte Marina heißen oder Marsha Mashinka Mashutka?
00:50:43: So hat ihre Mutter sie früher genannt!
00:50:46: Vielleicht sagt Ihre Mutter das immer noch zu ihr, oder verwendet sie den Kosennamen heute nur noch wenn sie über sie
00:50:52: spricht?!
00:50:53: In ihrer Gegenwart nennen sie sie Masha Mascar.
00:50:57: Die Zärtlichkeit versteckt sie, damit die Tochter aufs Leben vorbereitet ist.
00:51:01: Damit die Tochter weiß dass das Leben kein Spaziergang ist obwohl sie doch genau da drin steckt mitten in diesem Leben.
00:51:09: Obwohl sie doch jetzt gerade dabei ist das zu tun was dieses Leben von ihr erwartet.
00:51:15: Maschenka ist ein Gehorsames Mädchen.
00:51:19: Sie könnte Julia heißen Rosa Rita Magda Tamara Katja Anjuta.
00:51:25: Sie könnte heißen wie ich.
00:51:27: Könnte so heißen, wie jemand Dich
00:51:28: kenne.".
00:51:30: Sie eilt den Korridor entlang!
00:51:32: Der Korridор ist nicht gut beleuchtet, mehrere Glühbirnen sind ausgebrannt.
00:51:36: Sie elt die Schwingtüren wirft sie mit Deiner Werf auf als betrehte sie gleich eine Bühne.
00:51:42: In einem der Korridore überholt sie eine andere Frau, die sofort mehr Tempo in ihre Schritte legt.
00:51:47: Das gibt es doch nicht, da wird doch nicht eine vordrängeln wollen.
00:51:51: Die Frauen tauschen keinerlei Blicke aus.
00:51:54: Nicht abschätzige, nicht wissende, nicht freundliche, nicht herausfordernde – nichts!
00:51:59: Sie sind hier weil sie etwas zu erledigen haben.
00:52:03: Sie haben hier zu
00:52:04: tun.".
00:52:15: Das Buch ist ab sofort im Buchhandel und natürlich auch online erhältlich.
00:52:20: Frau Gorillik, vielen lieben Dank dass Sie heute bei mir waren!
00:52:22: Vielen Dank für die guten Fragen!
00:52:26: Das war eine neue Folge von Zeit für Literatur dem Vorlesepodcast produziert vom Studio ZX.
00:52:33: Ich bin Stalap Pfeifer.
00:52:34: schön das sie sich heute Zeit für literatur genommen haben und bis zum nächsten Mal.
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