ZEIT für Literatur mit Svenja Svenja Flaßpöhler

Shownotes

Gehen oder bleiben? Das ist eine Frage, die sich sicher jeder Mensch schon einmal gestellt hat, der sich in einer festen Beziehung befindet. Die Wahlmöglichkeiten in unserer Zeit sind schlicht zu vielfältig, die Lebensentwürfe zu verlockend. Der Gedanke, dass man ein ganz anderes Leben führen könnte, wenn man sich an der einen oder anderen Stelle anders entschieden hätte, ist manchmal zu präsent. Insbesondere in Zeiten, in denen die Beziehung einen fordert: die Kinder, die Arbeit, die Beziehungspflege, die Anforderungen von außen. Wer kennt es nicht?

In ihrem neuen Buch „Zusammenbleiben: Von der Freiheit fester Bindungen“ setzt sich die Philosophin und Bestsellerautorin Svenja Flaßpöhler mit diesem Thema auseinander. Und wagt unter Bezugnahme auf den Philosophen Søren Kierkegaard viele intime Blicke in ihre persönliche Vergangenheit und ihr eigenes Beziehungsleben. Sie sagt: Gerade die Freiheit, gehen zu können, ist die Voraussetzung für freies Bleiben. Ein Buch über die Kunst, sich als Paar in der Dauer zu verwirklichen, ohne in Fallen wie Selbsttäuschung oder Unterwerfung zu tappen.

Ein Plädoyer fürs Bleiben, auch wenn man doch immer gehen kann. Jetzt reinhören! Diese Podcast-Folge wurde im Auftrag des Verlags Klett-Cotta von Studio ZX produziert.

Redaktion und Moderation: Mae Becker Aufnahmeleitung und Postproduktion: Jonas Ross

Transkript anzeigen

00:00:04: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Zeit für Literatur.

00:00:08: Zeit für literatur ist ein Podcast, bei dem Autorinnen und Autoren nicht schreiben sondern vorlesen – und zwar aus ihren neuen Romanen und Büchern!

00:00:16: Ich bin May Becker, produziert wird der Podcast vom Studio ZX.

00:00:21: Gehen oder bleiben Das ist eine Frage die sich sicher jeder Mensch schon einmal gestellt hat, der sich in einer festen Beziehung befindet.

00:00:30: Die Wahlmöglichkeiten unserer Zeit sind schlicht zu vielfältig, die Lebensentwürfe zu verlockend und der Gedanke dass man ein ganz anderes Leben leben könnte hätte man sich an der einen oder anderen Stelle im Leben etwas anders entschieden ist manchmal zu präsent.

00:00:46: Insbesondere in Zeiten in denen die Beziehung einen fordert.

00:00:49: Kinder Arbeit Beziehungspflege die Anforderungen die Personen außerhalb der Beziehungen an einen Stellen die Ansprüche an sich selbst All das kann auch die Beziehung auf eine harte Probe stellen.

00:01:00: Philosophin und Bestsellerautorin Svenja Flass-Pöhler hat ein neues Buch geschrieben, dass sich genau mit diesem Thema auseinandersetzt – es heißt Zusammenbleiben von der Freiheit fester Bindungen und stellt die Frage warum man in einer Beziehungen bleiben sollte, auch wenn es manchmal fordernd ist?

00:01:17: Ein Plädoyer fürs Bleiben!

00:01:19: Auch wenn man doch immer gehen kann, ein intimes Buch über die Kunst, sich als Paar in der Dauer zu verwirklichen ohne in Fallen wie Selbsttäuschung oder Unterwerfungen zu tappen.

00:01:55: Das Buch fragt anhand meiner eigenen Paargeschichte, aber auch in Auseinandersetzung mit dem Philosophen Sören Kierkegar nach den guten Gründen als Paar zusammen zu bleiben.

00:02:08: Die Ehe hat ja heute nicht den besten Ruf – das schreiben Sie auch selbst in Ihrem Buch!

00:02:12: Ihr wird etwas Biederes Lustbefreites nachgesagt.

00:02:16: Heterosexuelle Ehe, das klingt schnell nach Patriarchat, nach Pflichterfüllung und Nachgewohnheit.

00:02:23: Mit ihrem Buch mischen sie den Diskurs um diese vertraglich geregelte Partnerschaft auf.

00:02:28: Sie sagen, gerade im Zusammenbleiben liegt die eigentliche Freiheit.

00:02:33: Können Sie uns das erklären?

00:02:35: Genau man muss natürlich nochmal unterscheiden zwischen zusammen bleiben und eher also man kann durchaus auch zusammen bleiben ohne zu heiraten.

00:02:42: nichtsdestotrotz versuche ich in meinem buch schon auch gründe zu finden warum es ja warum es auch ein Zeichen sein kann, sich vor drittem das Jahrwort zu geben.

00:02:53: Aber trotzdem man kann durchaus auch ohne zusammenbleiben.

00:02:57: Ja ich setze diesen Entwicklung, diesen Tendenzen und auch diesen Stimmen etwas entgegen weil ich der Auffassung bin dass eben gerade in der Bindung eine Form der Freiheit liegt Und ein ganz starkes Argument lautet, dass derjenige der sich bindet oder zwei Menschen die sich aneinander binden eben nicht der Lust gehorchen, also dieser Unmittelbarkeit der Lust die mal heute nach hierhin morgen nach da hin ziehen kann.

00:03:25: Sondern sie sind in der Lage sich in eine Distanz zur Lust und zu den eigenen Effekten zu setzen und sich hervorzubringen als Menschen die beieinander bleiben und in eine sinnliche intime Beziehung zueinander treten.

00:03:41: Das heißt das Bleiben zeugt erst einmal von einer inneren Freiheit.

00:03:45: Aber darüber hinaus können derart verbundene Menschen es auch vollbringen, sich gegenseitig zu befreien von inneren Zwängen und Nöten.

00:03:54: Und auch von den langen Statten

00:04:09: die Freiheit auskosten, die eine offene Gesellschaft bietet?

00:04:14: Oder was macht diese Menschen ihre Meinung nach unfrei.

00:04:19: Also zunächst mal möchte ich sagen dass mein Buch überhaupt kein Buch gegen andere Lebensform ist.

00:04:24: also so ist es gar nicht geschrieben und das ist auch gar nicht die Intention.

00:04:28: Ich würde jetzt auch eben nicht wie Emilia Rock die ja sagt man soll die Ehe abschaffen irgendwie fordern wir sollten offene Beziehungen abschaffen.

00:04:35: also jeder kann seine Form mit guten Gründen erst einmal finden.

00:04:40: Mir geht es darum, für meine Lebensform die eben in verschiedenster Hinsicht ja schon unter Beschuss steht gute Gründe zu finden und sie steht ja auch schon eben alleine Sie haben's angedeutet statistisch unter Beschluss.

00:04:52: also jede dritte Ehe lässt sich scheiden die Single-Haushalte steigen rasant an.

00:04:57: Also erstmal das ist der Gestus und das ist durchaus auch ein fragender Gestus also einen selbst befragender Gestos.

00:05:05: was hält mich eigentlich?

00:05:07: bei meinem Mann.

00:05:08: Das ist eigentlich die Frage, die ich mir zentral stelle und ein ganz entscheidender Begriff in dem Zusammenhang ist die Intimität.

00:05:17: Denn zwei Menschen, die beieinander bleiben können intim miteinander werden und dieser Begriff der Intimitet kommt aus dem Lateinischen und meint das Innerste.

00:05:29: Und dieses Innerste ist eben etwas wo wirklich nur die Zwei-Zutritt zu haben.

00:05:33: Das heißt es ist eine Ausschließlichkeit woraus sich auch das Konzept der Treue ergibt.

00:05:39: Dann stellt sich die Frage, warum sollte das die Sexualität sein?

00:05:45: Könnte es nicht was anderes sein, was diese intime Beziehung zwischen zwei stiftet?

00:05:50: Aber da fällt es mir schwer ein Equivalent vorzustellen.

00:05:54: Denn das Innerste ist eben auch das, was uns im Innersten berührt und das ist die Sexualitet in dieser Hingabe Und davon, das meine ich natürlich wenn ich von Sexualität rede.

00:06:07: Eine erfüllte Sexualität berührt uns im Innersten durch die Erfüllung der Lust.

00:06:13: Sie formulieren ja auch den Gedanken dass gerade die Freiheit gehen zu können eigentlich die Voraussetzung für Freies bleiben ist?

00:06:20: Können sie das nochmal ausführen?

00:06:22: Ja das ist ganz entscheidend.

00:06:24: also die innere Unabhängigkeit gehen zu können, ist fundamental für ein freies Bleiben.

00:06:31: Also insofern ist eben auch die Emanzipation der Frau grundlegend für das Freie bleiben und nur wenn ich psychisch und materiell ... unabhängig bin, also im Zweifelsfall gehen kann, kann ich aus Freiheit bleiben.

00:06:45: Also dieser Gedanke der ist tatsächlich ganz, ganz zentral und insofern ist mein Buch zusammenbleiben auch kein einfach konservatives Buch was jetzt sagt wir sollten in jedem Fall zusammen bleiben sondern das Bleiben ist überhaupt keinen Zweck an sich.

00:07:00: Sie beziehen sich ja in ihrer Argumentation auf den Philosophensjürgen Kirkegaard.

00:07:04: er sagte in seiner Schrift entweder oder dass das vermeintlich freie Leben, bei dem ein Mensch immer auf der Suche nach dem nächsten sexuellen Abenteuer ist in Wirklichkeit getrieben und dadurch unfrei ist.

00:07:17: Wie wichtig war denn die Likteure von Kirkegaard für zusammenbleiben?

00:07:22: Wichtig!

00:07:22: Weil Kirkegar ist tatsächlich so was wie mein Sprung ins Denken am Anfang weil Kirkegarr natürlich ist ja ein Mann seiner Zeit des Ninzehn Jahrhunderts aber er war eben der Erste eigentlich, der ihn in der Spätromantik versucht hat die Bindung eben als Freiheit zu begründen, als freie Bindung sozusagen zu begrinden.

00:07:44: Und die Ehe hatte er dann natürlich vor allem im Sinn.

00:07:47: und was ich an Kirke gar auch so interessant finde ist seine innere Gespaltenheit, die wir heute noch so gut kennen.

00:07:54: also eben dieses einerseits, die Lust irgendwie frei zu sein, also frei in dem Sinne dass sich heute mit dem ins Bett gehen kann und morgen mit dem.

00:08:03: Und mich gerade nicht festlege, also diese Lust des möglichen Spüren.

00:08:09: Auf der anderen Seite eben auch bei Kirkegaar die ganz große Sehnsucht sich an einen Menschen zu binden.

00:08:14: Er selber war ja ... kurz davor, Regine Olsen zu heiraten.

00:08:18: Hat sich dann in letzter Sekunde quasi dagegen entschieden und aus dieser Verzweiflung heraus sich nicht für sie entscheiden zu können hat er das Buch entweder oder geschrieben indem diese innere Zerrissenheit eine ganz große Rolle spielt und er nimmt dann aber am Ende eben die Position ein.

00:08:35: nein ich zeig euch jetzt warum es gute Gründe gibt tatsächlich dieses Wagnis der Ehe einzugehen und das fand ich ungeheuer interessant.

00:08:44: Kirke Gath lebt ja in einer ganz anderen Zeit.

00:08:46: Ganz andere gesellschaftliche Strukturen, ganz andere Werte prägen ihn.

00:08:50: Gerade was die Rolle der Frau in der Gesellschaft betrifft – Sie haben es schon angesprochen – welche Lehrstellen oder welche Mängel sehen sie denn in seiner Philosophie und versuchen sie vielleicht auch ein bisschen zu beheben mit ihrem Buch?

00:09:02: Ja, also ich mein Anspruch ist schon mit Kierkega über Kierkiga hinaus zu gehen und ihm eben deshalb auch eine weibliche Subjektivität entgegenzusetzen.

00:09:12: Eine emanzipierte weiblich subjektivität weil das war genau das vor dem er eine ungeheure Angst hatte.

00:09:18: Also er aus diesem Werk spricht eine Furcht von der Frau Und er hatte tatsächlich auch biografisch ein eher verstelltes Verhältnis zum anderen Geschlecht.

00:09:27: Das heißt also dieser Mangel der muss unbedingt behoben werden.

00:09:31: Ehrliche Harmonie, die Kirke gar dann in der zweiten Hälfte von entweder oder vorstellt ist tatsächlich eine Patriarchale.

00:09:38: Also da geht es um die Freiheit des Mannes.

00:09:40: überhaupt geht es in diesem Buch immer um die männliche Freiheit.

00:09:43: Die Frau ist eigentlich ja dazu da ihm ein schönes Heim zu schaffen ihn immer wieder zu erden ihn herauszuholen aus seinen Grübeleien und so.

00:09:52: also das ist die Rolle der frau.

00:09:54: Und dass da gibt es überhaupt keine Subjektivität auf der anderen Seite.

00:09:58: ich mach die Patafeln zu bringen

00:10:01: mindestens.

00:10:03: Sie haben es eben schon angesprochen, aber ich würde trotzdem noch mal fragen die Emanzipation der Frau macht sozusagen das Gedankenexperiment was sie hier in ihrem Buch durchspielen überhaupt erst möglich?

00:10:13: Ja, auf jeden Fall.

00:10:14: Ganz genau!

00:10:16: Eine freie Bindung zwischen zwei kann es nur geben wenn wirklich beide frei sind und beide übrigens auch eine Vorstellung davon haben wer sie wären ohne den anderen.

00:10:26: also das geht schon um diese innere Freiheit die man braucht um eben in diese Bindung zu gehen und auch den Mut zu haben den Konflikt zu wagen mit dem anderen.

00:10:35: denn darum geht es ja heute und deshalb scheitern ja auch so viele Beziehungen weil eben beide Seiten den Anspruch haben.

00:10:42: Bei Kierkeger gibt es diese schöne Formulierung, der Mensch soll seine eigene Vorsehung werden.

00:10:48: Damit meint er aber den Mann.

00:10:50: Heute haben Frauen auch eine eigene Vorseeung, also eine Idee von sich selber und dann fängt der Konflikt natürlich an und in denen müssen wir reingehen.

00:10:59: Zumal ja ... Frauen heute mitunter auch die erfolgreicheren sind, die Hauptverdienerinnen sind.

00:11:05: Das heißt wir tauschen die Rollen.

00:11:07: das bringt nochmal ganz eigene Dynamiken mit sich und insgesamt denke ich befinden wir uns gerade wirklich als heterosexuelle Paare in einem gigantischen Experiment indem wir ausloten ja bis zu welchem Punkt wir die rollen aufbrechen oder sogar Tauschen können und wollen.

00:11:26: Sie verhandeln ja die Frage nach Bleiben oder Gehen an ihrer eigenen Beziehung.

00:11:31: Sie laden uns Leser und Leserinnen in ihre eigene Paarbeziehungen ein, wir erfahren viel auch vom Kennenlernen zum Beispiel mit ihrem heutigen Ehemann, die Exzesse ihrer Jugendkonflikthemen in ihrer Ehe – das ist alles sehr intim!

00:11:45: Warum war es wichtig für sie uns alle so nah ran zu holen?

00:11:50: Weil mich grundsätzlich interessiert aus dem Individuellen das Allgemeine abzuleiten.

00:11:57: Das ist in vielen meiner Bücher so, ich werde in vielen Büchern sehr persönlich also in meinem Buch über verzeihen und meinen Buch über streiten zum Beispiel.

00:12:06: Und natürlich hätte ich jetzt für zusammenbleiben weil es natürlich noch mal ein besonderes intimes Thema ist da haben sie völlig recht.

00:12:13: irgendwie auch Fallgeschichten nehmen können Aus denen man dann was ableitet.

00:12:16: dass hätte ich machen können aber fall geschichten bleiben notwendigerweise oberflächlicher, weil die kenne ich nicht von ihnen und dann hätte ich auch nicht bei einer bleiben können.

00:12:26: Aber so habe ich eine Geschichte, die ich sehr genau kenne und die eben auch denke ich für unsere Zeit schon interessant ist in ihrer Konstellation, weil mein Mann und ich eben in vielen Feldern die Rollen aufbrechen und tauschen Problemen und Herausforderungen beschäftigt sind, die viele kennen.

00:12:45: Und mir macht es Lust so ins Detail zu gehen und daraus etwas zu entwickeln daran was zu zeigen.

00:12:51: natürlich habe ich mich gleichzeitig aber immer auch gefragt beim schreiben Was muss ich weglassen?

00:12:57: also Ich hab nicht alles geschrieben.

00:13:00: Sie beschreiben im Buch unter anderem auch ihre eigenen Verletzungen aus der Kindheit und auch Verletztungen ihres Mannes, aus seiner Kindheit.

00:13:07: Sie beschreifen wie sie dann zusammengefunden haben, wie sie sich gegenseitig akzeptiert haben, wieder ein gemeinsames Vorwärtskommen daraus wurde.

00:13:15: Haben denn Individuen in ihrer Meinung nach eine Pflicht?

00:13:18: Wenn sie sich auf andere Menschen vollkommen einlassen wollen erst mal bei sich aufzuräumen also Erstmal sich mit sich selbst beschäftigen, erst mal die eigenen Wunden heilen.

00:13:29: Erst mal eigene Traumata überwinden bevor man in so eine Beziehung geht oder macht man das gemeinsam?

00:13:35: Was ist da Ihre

00:13:36: Meinung?

00:13:36: Also

00:13:37: Pflicht

00:13:38: klingt mir grundsätzlich immer ein bisschen zu protestantisch und zu lustfeindlich.

00:13:44: Ich denke auch nicht dass es eine Pflicht geben kann.

00:13:47: also weil das ja auch gar nicht durchzuführen ist vorher alles schon aufgeräumt zu haben sondern auch so, dass wir eigentlich erst in der Beziehung oft merken was da an Effektlagen da ist.

00:14:01: In einem selbst und auch im anderen.

00:14:04: Insofern passiert dann ja ganz viel erst in die Beziehungen.

00:14:07: aber ich denke schon das die Bereitschaft da sein muss wirklich in die Selbsterkenntnis hinein zu gehen.

00:14:15: Ich verwende in meinem Buch den Begriff der hermenäutischen Liebeskunst, womit ich eben der Pflicht etwas entgegensetzen will.

00:14:22: Also die hermenautische Liebeskunft meint eigentlich dass man gemeinsam in einen Verstehensprozess hineinkommt sich gegenseitig zum Verstehen verführt Sowohl von sich selbst als auch vom anderen.

00:14:35: Und da gibt es zwei Abgründe in diesem Verstehensprozess, was wir glaube ich auch sehr viele kennen nämlich der eine Abgrund ist dass man alles wissen will und so in den anderen regelrecht eindringt.

00:14:45: So ihn fast schon so herme neutisch penetriert Das kenne ich von mir selber sehr gut.

00:14:50: Und auf der anderen Seite so eine Überhöhung des Anderen als Wunder, also der ist halt so wie er ist.

00:14:56: Ich darf da gar nicht ran und weil ich sonst zerstörch womöglich auch seine Kreativität.

00:15:02: Gerade in der Kreativeszene ist das weit verbreitet und diese herme-neutische Liebeskunst ist eigentlich die Gratwanderung zwischen diesen beiden Abgründen.

00:15:11: Glauben Sie dass da an dieser Stelle auch viele Beziehungen zerbrechen?

00:15:16: Ja, sicherlich.

00:15:18: Entweder der eine von beiden oder vielleicht auch beide sind gar nicht gewillt haben Angst davor in diese Abgründe auch des eigenen Selbst hineinzusteigen.

00:15:28: also das ist bestimmt... Oder man landet eben bei dem einen oder anderen extrem und sicher.

00:15:34: Und wenn es gelingt, also wenn man merkt dass da etwas vorangeht und dass man eben auch erkennen kann etwa in einem sehr heftigen Streit, dass da gerade was ganz anderes eigentlich zur Sprache kommt.

00:15:47: Was gar nichts mit der aktuellen Situation zu tun hat sondern was längst vergangenes ist dann kann das eben auch eine Beziehung auf ne ganz neue Ebene heben.

00:15:58: Ihr Buch zeigt ja auch, dass es ein gewisses Maß an Reflexion und Konflikt-Konflikfähigkeit und Langmut braucht um sich immer wieder füreinander zu entscheiden aber nicht in alte Muster oder Strukturen oder Selbsttäuschungen zu verfallen.

00:16:13: Haben Sie den Tipps für die Hörerinnen wie so eine Art der Beziehungsarbeit gelingen kann?

00:16:21: Die Hermeneutische Liebeskunst haben wir schon erwähnt.

00:16:23: Eine andere, denke ich ein anderer Tipp ist in jedem Fall das Streitenlernen also sich gegenseitig in Beziehungen als Gegner anzuerkennen.

00:16:35: Die Gegnerschaft ist nicht das andere der Liebe, sondern sie muss integriert werden in die Liebe.

00:16:40: Denn Menschen stehen unterschiedlich in der Welt.

00:16:42: im Fall von heterosexuellen Beziehungen hat man schon ein anderes Geschlecht dass es durchaus auch in vielen Feldern zum Tragen kommt etwa dann wenn ein Kind sich ankündigt.

00:16:51: Das kann man nicht einfach weg rationalisieren wegdenken und deshalb geht es eben darum hart in der Sache zu sein im Streit, um diese Differenz klarzumachen.

00:17:03: Aber gleichzeitig so zu streiten, so sensibel zu sein am Streit dass ich den anderen nicht verliere.

00:17:09: und das ist gerade in Beziehung sehr gut möglich weil wir uns ebenso gut kennen.

00:17:13: und natürlich kann man dieses So-Gut-Kennen auch für das Gegenteil ausnutzen und immer schön in die Wunde rein pieken.

00:17:20: aber man kann es eben auch nehmen als Anlass zu einer Empfindsamkeit im Streiht.

00:17:26: Welche Rolle spielt in der Konflikt zum Vorwärtskommen und zum Zusammenbleiben?

00:17:30: Er führt zur Vertiefung der Beziehung.

00:17:34: Er führt dazu, dass man gefallt davor ist an eine Lebenslüge abzugleiten.

00:17:41: Denn die Lebenslüger entsteht ja genau dadurch, nicht in Konflikte hineingehe, aus Angst davor dass ein Lebenstraum zerbrechen könnte das vielleicht auch meine Illusion des anderen angekratzt werden könnte.

00:17:54: Also die Verführung gerade eben auch wenn Beziehungen schon lange dauern lieber das Dunkle auszusparen ist sehr sehr groß und dann besteht aber eben die Gefahr sich immer tiefer an eine Illusion zu verstricken und irgendwann in der handfesten Lebenslüge zu

00:18:09: landen.".

00:18:13: Ich möchte zum Schluss gerne noch mal von Ihnen wissen, wann finden Sie es denn richtig zu gehen?

00:18:18: Wenn Gewalt im Spiel ist definitiv und wenn beim anderen überhaupt kein Wille trotz hermeneutischer Liebeskunst erkennbar ist sich mit sich selbst oder dem anderen auseinanderzusetzen dann ist es Zeit zu gehen.

00:18:35: Vielen Dank für das Gespräch.

00:18:36: jetzt Bin ich ganz gespannt und ich liege die Hörerinnen sicherlich auch mal rein zu hören in Zusammenbleiben von Svenja Flasspöhler.

00:18:44: Welche Stelle haben Sie uns denn heute mitgebracht?

00:18:47: Ich lese aus der Einleitung, und ich werde einmal an einer Stelle ein paar Seiten überschlagen.

00:18:57: Super!

00:18:57: Wir sind gespannt – los geht's!

00:19:05: Zu Beginn zwei Szenen.

00:19:07: Szene eins Berlin Ostgut.

00:19:09: sechs Uhr früh Ohren betäubender Bass, tanzende Menschen im Stroboskoplicht.

00:19:14: Ich stehe in Turnschuhen, löcherigen Jeans und Lieblingsshirt schon leicht angerissen unter den Achseln an der Theke und warte auf mein Bier.

00:19:22: Ein paar Meter entfernt lehnt ein Mann an der Bar erhebt sein Glas prostet mir zu.

00:19:27: ich gehe zu ihm hinüber.

00:19:29: Ich bin allein unterwegs auch heute Nacht!

00:19:31: Ich gehe immer alleine aus fahre mit meinem roten Rennrad durch die Stadt besuche mehrere Clubs nacheinander allein Weil ich keinen Erwartungen entsprechen möchte, weil ich es genieße für mich zu sein allein durch die Nacht zu fahren.

00:19:45: Allein zu tanzen und zu trinken inmitten einer feierenden Menge.

00:19:48: Weil in diesen Augenblicken der Schwebe das Mögliche

00:19:52: spüre.".

00:19:53: Ich gehe mit dem Mann auf die Tanzfläche – er bewegt sich ein wenig ungelenk ist auch sonst nicht ganz mein Typ aber küsse ihn trotzdem!

00:20:00: Wir verschwinden Richtung Toilette in einen dunklen Gang.

00:20:03: Als klar ist, worauf es hinausläuft, lasse ich mir seine Adresse geben und fahre mit meinem Rad in der Morgendämmerung quer durch Berlin, Genwesten.

00:20:13: Ein paar Stunden später schließe ich ziemlich verkatert seine Wohnungstür leise von außen – schon jetzt weiß sich das ich den Mann nicht wiedersehen werde!

00:20:20: Nicht weil etwas Schlimmes passiert wäre sondern weil ich nicht will.

00:20:24: Zurück in meiner Kreuzberger Wohnung nehme ich eine Kopfschmerztablette.

00:20:29: Am nächsten Morgen setze ich mich mit Espresso Kanne an den Schreibtisch und arbeite weiter an meiner Promotion über Dessert.

00:20:37: Szene zwei Berlin, Prenzlauer Berg, sechs Uhr früh.

00:20:41: Der Wecker klingelt.

00:20:42: Mein Mann schläft noch.

00:20:43: Ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer Dusche kalt.

00:20:46: Dann bereite ich begleitet vom Morgenprogramm des Deutschlandfungs das Frühstück vor Schwarzer Darjeeling drei Minuten gezogen Smoothies aus Äpfeln, Wald und Citrusfrüchten, Porridge mit Hafermilch.

00:20:58: Ich stelle Schüsseln Gläser Tätassen, Töpferware aus der Britannien, mitgebracht aus unserem letzten Sommerurlaub auf den Tisch, zünde die Kerze an, Schweizer Produkt handgefertigt wie jeden

00:21:09: Morgen.".

00:21:10: Kurz vor den sieben Uhr Nachrichten kommt mein Mann in die Küche.

00:21:18: Mein Mann geht ins Bad.

00:21:20: Ich schalte schon einmal die Siebträgermaschine ein, damit sie warm ist wenn wir später einen Espresso trinken sobald beide Kinder unsere Tochter ist siebzehn unser Sohn zehn Jahre alt zur Schule aufbrechen.

00:21:31: Eine dreiviertel Stunde später sitzen wir uns mit unseren kleinen Tassen am großen Holztisch gegenüber den mein Mann inzwischen abgeräumt und abgewischt hat.

00:21:40: Ein Moment der Stille tritt ein Ein kurzer Augenblick, in dem die Möglichkeit einer Öffnung auf scheint vom Profahnen zum Außergewöhnlichen.

00:21:48: Wir könnten uns über Kirkegas entweder oder unterhalten, indem ich gestern gelesen habe – oder verrückter Gedanke noch einmal ins Bett gehen!

00:21:57: Uns für ein heiliges Stündchen herausziehen aus diesem Tag der ohnehin voll genug sein

00:22:01: wird.".

00:22:02: Ich nippe an meinem Espresso, schaue meinen Mann an.

00:22:05: Dann driftet mein Blick ab zu meinem Kalender der neben mir liegt und die zulösende Frage aufwirft wer von uns beiden heute die Zeit findet mit unserem Sohn die Hausaufgaben zu machen den Hund auszuführen für unsere Tochter Tofu zu besorgen sich ums Abendessen zu kümmern.

00:22:21: Zwischen diesen beiden Momentaufnahmen liegt fast ein Vierteljahrhundert.

00:22:25: In der ersten Szene bin ich Mitte zwanzig, in der zweiten Ende vierzig.

00:22:29: Die Feststellung dass sich schlicht älter geworden und mit dem Alter auch das Leben andere Formen annimmt ist naheliegend aber leer.

00:22:36: Was wäre damit schon gesagt?

00:22:38: Dass es sich nun einmal um den Lauf der Dinge handelt wenn ein Mann und eine Frau nach gemeinsam verbrachten Jahrzehnten routiniert ihren Alltaggestalten?

00:22:47: In unserer Zeit ist nichts am Beziehungsleben Schicksal!

00:22:51: Gerade deshalb ist es so kompliziert, alles andere als selbstverständlich und nie frei vom Zweifel.

00:22:57: Habe ich mich richtig entschieden oder bin ich falsch abgebogen?

00:23:00: Eine Frage die unweigerlich irgendwann aufkommt wenn zwei Menschen ein Leben teilen – zumindest dann wenn ihnen ihr Glück nicht gleichgültig ist.

00:23:09: Manchmal überkommt mir das Gefühl dass mein früheres Club selbst immer noch da ist nur in einer anderen Welt Als ob es in einem Paralleluniversum fort existiert, wie durch einen Membran von mir getrennt.

00:23:22: Dort nur eine Armlänge entfernt ereignet sich mein alternatives Leben.

00:23:27: Während ein paar Weichen anders gestellt wurden einige Zufälle nicht geschehen.

00:23:32: gut möglich dass ich immer noch allein lebte keine Kinder hätte und keinen Mann den ich geheiratet habe als unsere Tochter ein Jahr alt war wobei natürlich die Frage bleibt ob dieses ungebundene Ich immer noch ich wäre oder eine andere Identität nur noch Waage mit mir verknüpft.

00:23:49: durchaus sehen und ein- oder zwei weitere Konstanten, die sich durch alle denkbaren Existenzen ziehen.

00:23:56: Gelegentlich male ich mir dieses Andere Ich das Ich Bin Und Doch Nicht Bin aus – lasse das Leben dass auch möglich gewesen wäre wie einen inneren Film ablaufen!

00:24:06: Ich stelle mir vor wie meine Doppelgängerin morgens in einer Kreuzberger Espressobar die Zeitung liest anstatt Smoothies für ihre Familie

00:24:13: zuzubereiten.".

00:24:14: Und wie sie sich dann nach einem kleinen Morgenspaziergang am nahegelegenen Landwehrkanal – vielleicht ist ein Hund dabei, zu Hause an ihren Computer setzt um zu schreiben.

00:24:24: In ihrer Zwei-Zimmerwohnung – es ist immer noch dieselbe wie damals aber gründlich renoviert – gibt es nur wenige Möbel und viele Bücher.

00:24:31: Der Schreibtisch hat einen besonderen Platz in der Mitte des größeren Zimmers.

00:24:35: Auch das Bett steht frei im anderen Raum auf einem Podest mit viel Ablagefläche für Lektüre, Tätassen, Weingläser….

00:24:42: Hin und wieder kommt ein Mann meins weit ich besuchen, eine Art festere Affäre aber ohne weitreichendere Verpflichtungen justierbar je nach Tagesform – jederzeit auflösbar.

00:24:52: Das einzige was meine Doppelgängerin nie infrage stellt ist die Arbeit und das Selbstgewählte allein sein dass sie in ihrer Parallelwelt genüsslich zelebriert.

00:25:01: Braucht Sie Menschen um sich herum?

00:25:03: Denen Sie es aus in Cafés, Bars, Schwimmbäder!

00:25:06: All diese Orte besucht sie wann immer sie will.

00:25:08: vielleicht hat sie also doch keinen Hund und sie geht, wann immer sie will.

00:25:13: Natürlich bin ich mir bewusst dass diese virtuelle Version meiner selbst idealisiert ist – so wie alle nicht realisierten Leben die sich dann und wann ins Bewusstsein drängen.

00:25:23: Wäre ich mit A nicht vielleicht glücklicher geworden als mit dem Mann den ich geheiratet habe oder mit B oder C oder D?

00:25:31: Auch solche Gedanken kenne ich!

00:25:32: So wie wohl die meisten Menschen wenn Sie sich selbst gegenüber ehrlich sind….

00:25:37: Auf das Nicht-Realisierte richtet sich die Sehnsucht, sobald die Wirklichkeit ihre Tristen verzätten zeigt.

00:25:43: Ein Sehnen, dass gleichzeitig Ausdruck des Bedauerns ist in einem Leben nicht alle Wege gehen zu können, sich Nolens Wohlends entscheiden zu müssen – entweder oder.

00:25:53: Entweder Single Dasein oder Paar Existenz.

00:25:56: Entwider mein Mann oder jemand anderes.

00:25:58: Entvider wir trennen uns nach einer gewissen Zeit.

00:26:01: Oder wir bleiben zusammen Jahre Jahrzehnte bis das der Tod uns

00:26:05: scheidet.".

00:26:07: Mein Mann und ich sind auf dem Fahrt bleiben unterwegs, der – dieser Eindruck drängt sich schon im persönlichen Umfeld unweigerlich auf immer unszeitgemäßer wird.

00:26:16: In unserem Freundes-und Bekanntenkreis nehmen die Trennungen in den letzten Jahren zu.

00:26:21: Selbst Paare, die wie füreinander geschaffen schienen, ziehen auseinander weil die Luft raus ist es einfach nicht mehr geht wir uns nicht mehr

00:26:29: lieben.".

00:26:30: Dass es sich hier um mehr als nur anecdotische Evidenz handelt, sondern um immense Fliehkräfte die unsere Zeit zeichnen zeigen den nackten Zahlen.

00:26:39: Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden.

00:26:42: Die Zahl der Single-Haushalte hat sich seit den neunzehnhundertfünfziger Jahren verdoppelt – sie liegt erzeitbar.

00:26:47: zweiundvierzig Prozent tendenzsteigend.

00:26:50: Tatsächlich spricht in der liberalisierten spätmodernen Gesellschaft bei Lichtbesehen wenig dafür einen Großteil seines Lebens mit einem einzigen Menschen zu

00:26:58: verbringen.".

00:27:00: Anders als noch in der Generation meiner Großeltern ist eine Trennung kein Skandal mehr.

00:27:05: Die Entscheidung, getrennte Wege zu gehen, scheitert auch keineswegs notwendig an monetärer Abhängigkeit.

00:27:11: Längst steht auch Frauen die Möglichkeit finanzieller Eigenständigkeit offen – sie verdienen sogar manchmal mehr als ihre Männer sind erfolgreicher als sie was ganz eigene Dynamiken und Herausforderungen erzeugt auf die wir noch zu sprechen kommen

00:27:23: werden.".

00:27:24: Die gesellschaftliche Liberalisierung geht zudem mit einer Option Vielfalt einher, die sich dank Dating-Apps immer effektiver nutzel lässt.

00:27:31: Und zwar nicht nur um – zumindest das Versprechen – den Traummann oder die Traumfrau zu finden sondern auch einen spontanen One Night Stand im eigenen Keats!

00:27:41: Warum also mit jemandem das Leben teilen wenn man es doch ganz selbstbestimmt für sich allein haben kann?

00:27:47: Wieso sich auf Dauer an einen Menschen binden, wenn eine solche Bindung mit Gewöhnung, Alltag, Profanisierung einhergeht?

00:27:54: Gemeinsam alt werden – das ist so scheint es.

00:27:57: Ein zunehmend überkommendes Lebensmodell, dass kaum jemand aus freien Stücken wählt sondern allenfalls aus Angst, Feigheit, Konvention oder Mangel an Alternativen.

00:28:06: Man bleibt zusammen wegen der Kinder weil die gemeinsame Eigentumswohnungen der Garten des Haus einst Ausdruck eines geteilten Lebenstraums war Weil man es nicht schafft, den Tatsachen ins Auge zu sehen.

00:28:18: Und – dies ist der theoretische Überbau – weil man Teil eines immensen patriarchalen Verblendungszusammenhangs isst, der Menschen aneinander bindet ja fesselt ihre Bedürfnisse unterdrückt und ihnen vorgaukelt sie müssten sich

00:28:30: entscheiden.".

00:28:31: Dieses Buch handelt vom Zusammenbleiben.

00:28:34: Zusammenbleibem meint mehr als zusammensein.

00:28:38: Das Bleiben trägt die Dauer in sich und also auch das Konflikthafte einer jeden Beziehung, die sich als Langstrecke begreift.

00:28:45: Das Bleibem steht positiv gesehen für ein Trotzdem oder besser – Für einen gerade deshalb!

00:28:51: Meine eigene Intuition weist in genau diese Richtung.

00:28:54: Gerade deshalb bleiben mein Mann und ich

00:28:57: zusammen.".

00:28:58: Ein Paar, das Differenzen in der Dauer auszutragen, Ungleichheiten zu balancieren versteht, verführt einen Bindungsexistenzialismus, indem sich zwei Menschen als Subjekte begegnen und frei sind, sich gegen die Beziehung zu entscheiden wenn sie nicht mehr trägt.

00:29:14: Anders gesagt gerade die Tatsache dass ich gehen kann ist die Voraussetzung meines Bleibens aus Freiheit.

00:29:22: Das Gehen Können von dem hier die Rede ist mein kein leichtfertigen Abgang Aber eben auch kein Bleiben um jeden Preis.

00:29:29: Wie also gelingt dieser Balanceakt zwischen Autonomie und Bezogenheit?

00:29:34: Wann wäre der Punkt erreicht, an dem eine Trennung erwogen werden müsste?

00:29:38: Schließlich lösen sich nicht alle Konflikte in einem Konsens auf!

00:29:41: Nicht jeder Streit ist konstruktiv – nicht immer gelingt es Worte zu finden für das was die Bindung bedroht.

00:29:47: Die langen Schatten der Vergangenheit zum Beispiel, dass dunkle Erbe der Herkunft oder auch schlicht für die Herausforderung gemeinsam verbrachter

00:29:55: Zeit."

00:29:56: Die Wiederholungen, das Älterwerden, die profane Seite der Nähe.

00:30:00: Wann also beginnt sie die Selbsttäuschung?

00:30:02: Wann kippt das Schöne in Schein Das Leben in eine umfassende

00:30:07: Lüge?".

00:30:08: In den folgenden Kapiteln widme ich mich der Aufgabe entlang meiner eigenen Erfahrung freizulegen was bleiben bedeutet?

00:30:15: Ist mein Wille, mein Ja zur Ehe?

00:30:17: Mein Ja zu Kindern.

00:30:18: Mein Ja zur Alltag und Gewohnheit so tief durch Drungen von gesellschaftlichen Erwartungen das ich lediglich der Illusion einer selbstbestimmten Existenz aufsitze?

00:30:28: Was bedeutet es als Frau in einer heterosexuellen Paarbeziehung die eigene Autonomie zu wahren?

00:30:34: Mache ich mir ledigliche etwas vor während mein wahres Selbst im Paralleluniversum den wirklichen Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit feiert indem sich gerade nicht bindet?

00:30:45: Oder ist dieses Kreuzberg ich womöglich immer noch in mir, verwandelt als eine innere Stimme die mir ein freies bleiben ermöglicht.

00:30:53: Die Suche beginnt und zwar mit Sören Kirkegaar und seiner berühmten großen Entscheidungsschrift Entweder oder!

00:31:00: Denn Kirkegar war es der in der Phase der Spätromantik erstmals den Versuch unternahmen die lebenslange Bindung philosophisch zu begründen – und zwar als eine Lebensform existenzieller Freiheit.

00:31:12: Und doch, geheiratet hat der Philosoph nie.

00:31:15: So sehr er das Geheimnis einer geglückten Ehe gedanklich dich dringen wollte, blieb er selbst ein Einzelgänger!

00:31:21: Der notorische Zweifler Kierkegaard ist mein Sparringpartner – mein Sprung ins Denken.

00:31:26: Wie lassen sich seine Einsichten für einen Bindungsexistenzialismus des XXI.

00:31:31: Jahrhunderts fruchtbar machen?

00:31:33: Welcher seiner Gedanken können gerade jetzt in der spätmodernen Multi-Optionsgesellschaft wegweisend

00:31:38: sein?".

00:31:39: Und wo zeigen sich auffällige Lehrstellen, die auffordern da weiterzudenken, wo der dänische Denker offensichtlich an Grenzen stieß?

00:31:47: Um in Kirkegors Welt einzutauchen setze ich mich in unseren alten geblümten Sessel.

00:31:52: Vor ein paar Jahren haben wir ihn beim Trüdler gefunden – seither ist er mein favorisierter Leseplatz!

00:31:57: Wenn die Sonne ihn bescheint, gleuchtet er golden im

00:32:00: Licht.".

00:32:03: Sie hörten einen Ausschnitt aus zusammenbleiben von der Freiheit fester Bindungen erschienen bei Klett-Kotta.

00:32:08: Das Buch ist ab sofort im Handel und online erhältlich.

00:32:12: Liebe Frau Pflaspüller, vielen Dank für das Gespräch!

00:32:14: Ich

00:32:24: danke auch!

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